The Gunman

Mr. Penn, warum haben Sie das gemacht?

 

Pierre Morel, ehemaliger Kamera-Operateur bei Luc Besson, hat Liam Neeson 2008 mit dem Ein-Vater-sieht-Rot-Drama Taken zu einer späten, ein wenig grotesk anmutenden Action-Karriere verholfen. Mag sein, dass auch in Sean Penn jetzt, mit fast 55, der Wunsch keimte, es noch einmal so richtig krachen zu lassen und seine antrainierten Muskeln samt Oberkörper zur Schau zu stellen. Anders ist es nicht zu erklären, warum der aufrechte Hollywood-Linke sich auf diesen reaktionären Schmarren eingelassen hat – und das, notabene, nicht nur als Hauptdarsteller, sondern auch noch als Ko-Produzent und Ko-Autor.

Jim Terrier ist ein Ex-Söldner. In der Demokratischen Republik Kongo hat er 2006 den Bergbauminister des Landes gekillt. Acht Jahre später kehrt er zurück, geläutert und gemeinnützig, um Brunnen zu graben. Doch als ein Attentat auf ihn versucht wird, wird ihm klar, dass sich die üble Vergangenheit nicht so leicht abschütteln lässt. Die Suche nach dem Bösewicht ist überraschend unkomplex, gibt aber ausreichend Gelegenheit, Städtepanoramen zu zeigen (London, Barcelona, Gibraltar), jederzeit ein Auto zu haben (woher?), große Wohnungen zu mieten (von wem?), ein Dutzend weiterer Anschläge zu überleben bzw. zu antizipieren, seine uncharismatische ehemalige Geliebte und seinen ehemaligen Buddy (unterfordert: Javier Bardem) zu treffen und schließlich – ausgerechnet – in einer Stierkampfarena zum Showdown anzutreten. (Verschämt muss der Nachspann die dazugehörige Info liefern, dass Stierkämpfe in Barcelona seit 2011 verboten sind.)

Den krisengeschüttelten Kongo als Hintergrund zu dieser plump-martialischen Räuberpistole zu verwenden, kann man in diesem Zusammenhang nicht anders als zynisch nennen. Der Rest ist eine gut geölte, aber völlig sinnfreie Action-
Maschinerie mit missglückter Love Story. Nichts, aber auch gar nichts, ist zu haarsträubend und zu unplausibel, um es nicht ins Bild zu rücken. Dass Frauen nach dem Sex immer perfekt frisiert sind, ein Herrenhemd anhaben und am Fenster stehen, mag ja noch angehen, aber dass Jasmine Trinca und Sean Penn nach einem mörderischen Schusswechsel samt Explosionen quasi frisch gebügelt ins „zufällig“ herumstehende Vintage-Cabrio steigen, um davonzudüsen, ist dann doch zu viel. Und dieser Unsinn hat in Morels Film Methode.

Man kann nur hoffen, dass Mr. Penn genug Testosteron getankt oder ausgeschüttet hat, um sich einer solchen filmischen Peinlichkeit nicht ein weiteres Mal auszusetzen. Das kann er nun wirklich getrost Liam Neeson überlassen.

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Action, Spanien/Großbritannien/Frankreich 2015


Regie Pierre Morel
Drehbuch
Don McPherson, Pete Travis,
Sean Penn

Kamera
Flavio Martinez Labiano
Schnitt
Frédéric Thoraval
Musik
Marco Beltrami
Production Design
Andrew Laws
Kostüm
Jill Taylor
Mit
Sean Penn, Jasmine Trinca,

Javier Bardem, Ray Winstone,
Mark Rylance, Idris Elba,
Peter Franzén, Rachel Lascar
Verleih
Constantin Film, 115 Minuten

www.thegunmanthefilm.com



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