Das ganz normale Böse

Hossein Aminis The Two Faces of January kann es mit den legendären Patricia-Highsmith-Adaptionen von Alfred Hitchcock, René Clement, Wim Wenders und Anthony Minghella nicht ganz aufnehmen.

 

Amerikaner im Europa der sechziger Jahre: Sie hatten den Krieg gewonnen, sie waren wohlhabend, sie sprachen keine Fremdsprachen, und sie waren gutwillig und unsicher genug, sich von ihren Landsleuten vor Ort, die sich offenbar besser auskannten, helfen, betrügen und sogar ausnehmen zu lassen. Um für ihre Romane zu recherchieren, unternahm die US-amerikanische Schriftstellerin Patricia Highsmith (1921–1995) bereits in den Fünfzigern ausgedehnte Europareisen, und sie beschrieb vor allem in ihren Ripley-Romanen immer wieder ähnliche Konstellationen, die ihre durchschnittlich-bürgerlichen Protagonisten ins Verderben führen.

So auch in Die zwei Gesichter des Januars: Ein gepflegtes, attraktives Paar, sie viel jünger als er, ist fasziniert von Rydal (Oscar Isaac), einem hübschen Touristenführer in Athen, und umgekehrt. Kirsten Dunst und Viggo Mortensen verkörpern mit aufreizender Eleganz die vorläufig entspannten Reisenden, die den kleinen Betrügereien des neuen Bekannten aufsitzen. Aber plötzlich bekommen sie Besuch von einem Privatdetektiv aus den USA, und es scheint, dass zumindest Chester, der Ehemann, nicht ganz so harmlos ist, wie er tut. Und dann stolpert er in ein Verbrechen, das vertuscht werden muss – jetzt sind Rydals Orts-, Sprach- und Personenkenntnisse gefragt, und im Nu sind alle drei aufs Unerfreulichste miteinander verstrickt. Hossein Amini inszeniert ein malerisches, sonniges, streckenweise leeres Griechenland – 1962 war der Hippie-Massentourismus noch weit entfernt. Und je heller die Sonne, je idyllischer die Landschaft, umso trüber wird die Stimmung, umso undurchsichtiger die Motive, von denen die Protagonisten umgetrieben werden.

Highsmith-Boom

Patricia Highsmiths großes Thema sind die schäbigen Begierden, die kleine wie große Gauner erfassen und eben auch jene, die sich selbst gar nicht für Gauner halten. Ihr 1950 publizierter erster Roman „Strangers on a Train“ verwies in seinen Hauptmerkmalen bereits auf alle folgenden Werke: Bei Highsmith geht es nicht um die Aufklärung von Verbrechen, ihre Leserinnen und Leser begleiten vielmehr den Verbrecher bei seinen Taten, die jener, häufig unbehelligt von der Polizei, verübt. Das war in den fünfziger Jahren neu, und es ist kein Wunder, dass
Alfred Hitchcock sich die Filmrechte sicherte und „Strangers on a Train“ – Raymond Chandler war am Drehbuch beteiligt – bereits im folgenden Jahr verfilmte. Farley Granger spielt einen Tennis-Profi, der von einem reichen Psychopathen gestalkt und beinahe dazu getrieben wird, dessen Vater umzubringen. Hitchcock drehte in kontrastreichem Schwarzweiß, bereicherte den Plot um eine Tennispartie gegen die Zeit und inszenierte das Ende als expressionistischen Bilderrausch auf einem Rummelplatz.

Highsmiths Romanvorlage wurde durch den Film berühmt, aber nicht so sehr wie ihr 1955 veröffentlichter, erster Tom-Ripley-Roman, dem vier weitere folgen sollten. „The Talented Mr. Ripley“ spielt an der französischen Riviera und wurde 1960 von René Clement unter dem Titel Plein soleil verfilmt – mit Alain Delon als Tom Ripley und Maurice Ronet als Philippe Greenleaf, sein eitles, überhebliches, dümmliches Opfer, dessen Identität sich Ripley aneignet. Die Besetzung mit den beiden schönen jungen Männern, die damals am Beginn ihrer Schauspielkarrieren standen, das flirrende Licht an der sommerlichen Côte d’Azur, der damals selbstverständliche Sexismus der Helden und die genüssliche Zurschaustellung von viel nasser, gebräunter oder auch verbrannter Haut sind die wichtigsten Ingredienzen für den Erfolg des Films für alle Beteiligten, und der zog eine ganze Menge weiterer Highsmith-Verfilmungen nach sich.

Ripley’s Game

Die psychologischen Krimis von Highsmith fanden in den sechziger und siebziger Jahren vor allem in Frankreich, Spanien und Deutschland ein begeistertes, gebildetes Publikum, und man mag darüber spekulieren, warum die Identifikation mit dem Bösen jeweils so faszinierte. Empfand man es in der Bundesrepublik womöglich als Erleichterung, dass es auch andere Verbrecher als die Nationalsozialisten gab, mit denen sich auseinanderzusetzen die bürgerliche Mittelschicht nun endlich gezwungen war? Taugte der Hedonist und Connaisseur Tom Ripley, der gelegentlich mal über die Stränge schlug, gar als Identifikationsfigur für die Leserschaft, die sich gerade erst aus dem Korsett starrer gesellschaftlicher Normen befreite? Spannend nämlich sind die Highsmith-Romane zumindest aus heutiger Sicht nicht, vielmehr enthalten sie detaillierte Schilderungen des Alltags, der Gewohnheiten und der Gedanken ihrer Helden, und dramatische Wendungen beschreibt die Autorin so unaufgeregt, dass sie als solche kaum zu erkennen sind.

Die Bundesrepublik wurde nach Wenders’ grandiosem Ripley-Film Der amerikanische Freund (1977) geradezu von einer Flut von Highsmith-Adaptionen überschwemmt: Der dem Neuen deutschen Film immer etwas unglücklich verbundene Hans W. Geißendörfer drehte gleich zwei davon mit den damaligen Stars: Die gläserne Zelle (1978) zeigt Helmut Griem und Lisa Kreuzer in der Ehe-Krise durch äußere Bedrohung; und in Ediths Tagebuch (1983) verfällt Angela Winkler in der Titelrolle gepflegt dem Wahnsinn. Beide Filme gefallen sich in einer diffus-linken Kritik der Bürgerlichkeit, indem sie deren Abgründe schildern, scheitern aber an dieser Rhetorik, die auf Kosten der Action geht. Ähnlich verhält es sich mit Der Geschichtenerzähler (1989), dem einzigen Spielfilm des Fernseh-Routiniers Rainer Boldt; auch Die zwei Gesichter des Januars wurde 1986 schon einmal in der Bundesrepublik verfilmt, 1993 setzte Trip nach Tunis der Reihe deutscher Highsmith-Verfilmungen ein Ende. Es ist typisch für die deutschen Regisseure der Siebziger und Achtziger, dass sie sich für ihre Adaptionen eher die kleinen, kammerspielartigen Romane aussuchten, akribische psychologische Studien, die vor lauter inneren Betrachtungen auf der Stelle treten.

Wim Wenders dagegen gelang mit Der amerikanische Freund, der Adaption von „Ripley’s Game“ ein Meisterwerk, das wiederum durch die Besetzung besticht: Dennis Hopper spielt darin einen zerquälten, einsamen, auch etwas bizarren Ripley, der den todkranken Rahmenmacher Jonathan (Bruno Ganz) mit schmutzigen Mitteln dazu treibt, einen Mord zu begehen, ihm aber dann bei weiteren selbst zu Hilfe kommt. Wenders drehte in Hamburg, nutzte Hafen, U-Bahn-Steige, graffitibedeckte Häuserzeilen und die neonbeleuchtete Reeperbahn als weltstädtische Locations; so dass man eher an eine amerikanische Stadt denkt. Bruno Ganz, eigentlich der sanfte, feinsinnige Melancholiker des Neuen deutschen Films, ist hier gegen sein Image besetzt; nach den Morden zeigt er keinerlei Emotion, und seine Loyalität gegenüber dem amerikanischen Freund Tom Ripley ist stärker als die Beziehung zu seiner Frau. So gesehen ist Der amerikanische Freund ein archetypischer Neuer deutscher Film – schließlich haben die jungen Regisseure von damals kräftig an dem Männerbild mitgearbeitet, das nach 1968 allmählich in Mode kam und mit sämtlichen Rollenanforderungen der Dekaden davor aufräumte. Mann war sensibel, zerknautscht, intellektuell und dabei noch attraktiv – Wenders’ und Hoppers Ripley-Interpretation weicht von Highsmiths Beschreibung des eiskalten Manipulators und eleganten Schöngeists ab, ist aber dafür umso eindringlicher.

Zeitenwechsel

Unter dem Originaltitel Ripley’s Game verfilmte Liliana Cavani den gleichen Stoff 2002 in Italien; ihr Hauptdarsteller John Malkovich kommt der Highsmith’schen Figur wieder näher. Er ist ein Kosmopolit, gierig, skrupellos, elegant, der seine sadistische Freude an dem Katz-und-Maus-Spiel mit dem naiven Rahmenmacher hat, aber auch an den gemeinsam begangenen Morden. Malkovichs Ripley ist von Anfang an bedrohlich: Als er auf einer Party hört, wie Jonathan (Dougray Scott) ihn als amerikanischen Kunstbanausen beschreibt, weiß man, dass er sich rächen wird. Er ist im Grunde eine Verkörperung des Teufels, der Jagd auf arme Seelen macht und sie mit seinen Verführungskünsten für sich gewinnt. Cavanis Inszenierung ist auf verquere Weise katholisch: So kann Jonathan, nachdem er sein erstes Opfer umgebracht hat, wieder mit seiner Frau schlafen, und Ripley ergötzt sich an seiner nichtsahnenden Freundin, einer Star-Cembalistin, die ihm untersagt, ihr jahrhundertealtes Instrument zu spielen, obwohl er es ihr geschenkt hat – zu hart findet sie seinen Umgang damit. Ripley unterwirft sich willig ihrem Verbot und genießt dabei den kleinen Moment der Überlegenheit, den er ihr gönnt. Stärkere Frauenfiguren und viel Sex sind die Charakteristika von Cavanis Film.

Ähnlich glamourös wie Plein soleil ist die Verfilmung des gleichen Stoffes von Anthony Minghella aus dem Jahr 1999: The Talented Mr. Ripley ist als period picture inszeniert, spielt also auch zur gleichen Zeit. Fast vierzig Jahre nach Alain Delon und Maurice Ronet verkörperten Matt Damon und Jude Law die beiden Antagonisten, mit Cate Blanchett und Gwyneth Paltrow sind zwei relativ konturierte Frauenrollen besetzt; der unverblümte Sexismus des früheren Films hat in den Neunzigern ausgedient. Es geht um eine Clique von reichen Amerikanern in Rom und an der Küste, die das Geld ihrer Eltern dort ausgeben und nicht gewillt sind, in die USA zurückzukehren. Jude Law als Dickie Greenleaf ist charmant, mutig, verantwortungslos und führt eine Art Playboy-Leben. Er umgibt sich mit schönen oder originellen Menschen, achtet aber streng darauf, dass die ihn nicht übertrumpfen. Zu dem in der Interpretation Matt Damons linkischen, unsicheren Ripley hat er ein ausbeuterisches Verhältnis – so lange er ihn amüsiert, duldet er ihn an seiner Seite. Dass Ripley ein erotisches Interesse an ihm hat, ignoriert er; schließlich schickt er ihn fort – „you can be quite boring“. Dass Ripley ihn fast aus Versehen umbringt und seine Identität annimmt, scheint folgerichtig – er ist tief verletzt, wollte er doch nichts anderes als so zu sein wie der verwöhnte, unbeschwerte Sohn aus reichem Haus.

The Talented Mr. Ripley in der Version Anthony Minghellas feiert nicht das gute Leben, wie es sich die Amerikaner in Europa in den fünfziger Jahren leisten konnten, sondern hat ein milde kritisches Verhältnis zu seinen Protagonisten, lässt keinen von ihnen sympathisch erscheinen, auch nicht die beiden blonden Frauen, von denen eine Dickies Geliebte, die andere ein reisendes Society-Girl ist. Sie alle wissen wenig mit ihrem Leben anzufangen. „I thought it was better to be a fake somebody than a real nobody“, gesteht Tom Ripley einem Mann, der ihn wirklich liebt, bringt ihn aber kurz darauf um – immer noch geblendet von den Möglichkeiten, die Dickies Geld ihm eröffnen.

Neben diesen bekanntesten Highsmith-Adaptionen gibt es jede Menge weitere Spielfilme und Fernsehproduktionen, und gerade verfilmt Todd Haynes mit seinem Gespür für die Fünfziger und queere Liebesbeziehungen „The Price of Salt“, eine lesbische Romanze, die Highsmith 1953 unter einem Pseudonym veröffentlichte. Und auch „The Blunderer“, der 1963 in Frankreich von Claude Autant-Lara als Le Meurtrier verfilmt wurde, kommt unter der Regie von Andy Goddard noch einmal ins Kino. Es scheint, als ob Highsmith immer ginge, und gerade jetzt wieder, wo die Fünfziger und Sechziger im Rückblick wie eine Zeit der Unschuld erscheinen – weniger komplex, strenger geregelt und übersichtlicher, fast wie im Märchen.

 

Die Fassade bröckelt langsam

Gespräch mit Viggo Mortensen über „The Two Faces of January“

Interview ~ Dieter Oßwald

 

Als edler Kämpfer Aragorn in The Lord of the Rings gelang dem 1958 in New York geborenen und in Südamerika aufgewachsenen Viggo Mortensen der Durchbruch. Danach engagierte ihn David Cronenberg gleich dreimal: für A History of Violence, Eastern Promises sowie als Sigmund Freud in A Dangerous Method. Zuvor war Mortensen in Filmen wie G.I. Jane, Psycho oder 28 Days zu sehen. Nach seinem Auftritt als Beat-Poet William Burroughs in Walter Salles’ Kerouac-Verfilmung On the Road spielt er nun eine Hauptrolle in Hossein Aminis Highsmith-Adaption The Two Faces of January.

Sie gelten als der übercoole Softie von Hollywood schlechthin – wie weit stimmt das Image?
Das müssen andere entscheiden. Ich versuche einfach nur, möglichst entspannt zu sein. Denn nur wenn ich entspannt bin, kann ich gute Arbeit leisten.

Wie entspannt fühlen Sie sich, wenn Sie in dieser Rolle zum Kettenraucher werden?
Rauchen ist bekanntermaßen ausgesprochen schlecht für die Gesundheit, aber hier passen die Zigaretten einfach gut zu dieser Figur.

Gibt es eine besondere Kunst des Rauchens, die Schauspieler erlernen können oder müssen?
Die Art des Rauchens hängt davon ab, welchen Typen man spielt und in welcher Zeit die Geschichte handelt. Wie jemand seine Zigarette hält, kann eine interessante Geste sein.
Die Glaubwürdigkeit einer Figur steht für einen Schauspieler immer an erster Stelle. Bei dieser Rolle wird das spannend, weil Chester allen anderen ja ständig etwas vormacht. Es ist ein Spiel im Spiel – und wenn er betrunken ist, verhält sich Chester ganz anders. Er raucht dann auch nicht mehr wie sonst.

Der „Drive“-Autor Hossein Amini gibt hier sein Regiedebüt. Ist es für Sie schwierig, mit Neulingen zu arbeiten?
Ganz und gar nicht, ich arbeite häufig mit Erstlingsregisseuren, das war nie ein Problem. Auch in diesem Fall hatte ich vom ersten Drehtag an ein ausgesprochen gutes Gefühl. Entscheidend ist, dass ein Regisseur selbstbewusst genug ist und genau weiß, was er möchte.

Sind Figuren aus einem Roman schwieriger zu spielen als aus einem Drehbuch?
Das hängt davon ab, wie gut ein Roman geschrieben ist. Bei der Umsetzung von „Die zwei Gesichter des Januars“ wurde zum Glück an den Figuren gefeilt. Im Roman weiß man sofort, was Chester für ein Typ ist: ein verzweifelter, verlogener und schmieriger Charakter, den man unsympathisch findet. Im Film hingegen scheint Chester ein angenehmes Leben und eine attraktive Frau zu haben. Diese Fassade bröckelt erst langsam, wie es sich für einen Film noir gehört.

Wie groß ist Ihre Liebe zu den Büchern von Highsmith?
Ich mag Highsmith, wenngleich sie nicht ganz oben auf meiner Hitliste von Autoren steht. Am besten gefallen mir ihre Kurzgeschichten. „Die zwei Gesichter des Januars“ ist für mich nicht der beste Highsmith-Roman, aber die Schilderung der Figuren darin ist großartig. Üblicherweise sind Verfilmungen selten so gut wie die Vorlage, in diesem Fall fällt die Adaption jedoch vielschichtiger und damit weit besser aus. Er ist nicht nur die Verfilmung dieses einen Romans, sondern dieser Film verkörpert das Gesamtwerk von Highsmith.

Welche Autoren mögen Sie denn besonders?
Die Antwort darauf würde sicher den zeitlichen Rahmen unseres Gesprächs sprengen. Ich mag ganz unterschiedliche Autoren aus verschiedenen Ländern. Würde ich spontan ein paar Namen nennen, wäre es unfair den anderen gegenüber, die ich nicht erwähne.

Wie waren die Dreharbeiten in Griechenland, mitten in der ökonomischen Krise?
Ich lebe teilweise in Spanien, wo die Verhältnisse durchaus vergleichbar sind. Man muss blind sein, wenn man die Auswirkungen dieser Krise nicht mitbekommt. Es ist seltsam, wenn man eine Szene aus den sechziger Jahren dreht, dabei entspannt in einer Bar sitzt und von der anderen Straßenseite holt einen lautstark die Wirklichkeit der aktuellen Krise ein. Der Lärm der Demonstrationen hat bisweilen tatsächlich unseren Ton kaputtgemacht.

Mit welchen Gefühlen sehen Sie Peter Jacksons The Hobbit? Finden Sie es schade, nicht dabei zu sein?
Nein, Aragorn spielt dabei ja keine Rolle, insofern gibt es für mich da nichts zu bedauern. Dass man aus diesem kleinen Buch drei große Filme macht, mag vielleicht nicht ganz im Sinne von Tolkien sein, aber es macht auf jeden Fall großen Spaß, sich das anzusehen, insbesondere wenn man mit Kindern ins Kino geht. Man sollte allerdings darauf achten, nicht wie ich in der ersten Reihe zu sitzen. Mit dieser 3D-Brille wird einem da ganz schnell schwindlig.

Stimmt es, dass Sie von jedem Drehort ein paar Souvenirs mitgehen lassen?
Ja, als Erinnerung nehme ich gerne ein paar Dinge mit, manchmal sind es Klamotten, manchmal sind es Gegenstände der Ausstattung. Von Lord of the Rings habe ich das Kostüm von Aragorn behalten und eines seiner Schwerter. Vor allem aber habe ich gute Erinnerungen an die Dreharbeiten mitgenommen.

Welche Kick hat die Rolle in The Lord of the Rings Ihrer Schauspielkarriere gegeben?
Als Schauspieler sucht man stets nach guten Geschichten, aber die Optionen sind ziemlich begrenzt. Mit Lord of the Rings hat sich das für mich und die anderen Darsteller geändert, nach solch einem Erfolg kommen automatisch attraktivere Angebote und man kann wählerischer bei seinen Rollen sein. Wobei ich mit zunehmendem Alter ohnehin wählerischer werde, schließlich nimmt ein Film eine lange Zeit deines Lebens in Beschlag.

Was macht die berühmte „gute Geschichte“ aus? Wie sehen Ihre Kriterien dafür aus?
Jeder hat natürlich seinen eigenen Geschmack. Generell gilt, dass eine gute Geschichte eine gute Struktur benötigt und sprachlich überzeugen sollte. Diese Qualitäten fehlen dem Großteil der Drehbücher, unabhängig ob sie verfilmt werden oder nicht. Sie fehlen zudem auch den meisten Filmen, ganz egal, wie hoch deren Budget ist. Die überwiegende Zahl der
Filme ist schrecklich. Sie regen weder zum Nachdenken an, noch bleiben sie im Gedächtnis. Ich möchte Drehbücher, die mich emotional mitnehmen und von deren Figuren ich etwas lernen kann – erst dann macht die Arbeit als Schauspieler auch Spaß. Projekte, die nicht interessant erscheinen, fange ich lieber gar nicht erst an.

Wonach suchen Sie Ihre Rollen aus?
Geld ist für mich nicht ausschlaggebend. Die ersten Fragen lauten: Ist diese Geschichte interessant? Kann ich die Figur spielen? Kann ich etwas von ihr lernen? Danach geht es darum, wer Regie führt, welche Kollegen dabei sind und wo gedreht wird.

Würden Sie Ihrem Sohn diesen Job empfehlen?
Ich glaube, er wird auf alle Fälle in einem kreativen Beruf arbeiten. Er ist ein guter Musiker und hat großes Talent zum Schreiben. Er ist auch schon einige Male als Schauspieler aufgetreten – aber ich bin mir nicht sicher, welchen Weg er einmal einschlagen wird. Er hat gerade erst ein Studium abgeschlossen, da bleibt noch etwas Zeit, das zu entscheiden.



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Interview ~ Dieter Oßwald

Die zwei Gesichter des Januars /
The Two Faces of January


Thriller, Großbritannien/USA/Frankreich 2013
Regie, Buch
Hossein Amini nach dem Roman
von Patricia Highsmith (1964)

Kamera
Marcel Zyskind
Schnitt
Nicolas Chaudeurge, Jon Harris
Musik
Alberto Iglesias
Sound Design
Stephen Griffiths, Andy Shelley
Ton
Ray Beckett
Production Design
Michael Carlin
Kostüm
Steven Noble
Mit
Viggo Mortensen, Kirsten Dunst,
Oscar Isaac, David Warshofsky,
Daisy Bevan, Aleifer Prometheus

Verleih
Constantin Film, 96 Minuten

www.thetwofacesofjanuary.com/uk



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