Langes Warten auf den Oscar

Auch sehr prominente Filmschaffende müssen sich oft in Geduld üben, bevor sie die begehrte Goldstatuette in Händen halten können.

 

Roger Deakins, der berühmte britische Kameramann, kann ein Lied davon singen: Nicht weniger als 13 Mal wurde der heute 69-Jährige für den Oscar nominiert, und jedesmal ging er leer aus, ehe es in diesem Jahr endlich so weit war und er die Trophäe für die Arbeit an Blade Runner 2049 in Empfang nehmen konnte – siehe auch unseren demnächst erscheinenden Blog-Beitrag zu Roger Deakins.

Deakins ist beileibe kein Einzelfall: Selbst die größten Meisterinnen und Meister mussten bisweilen sehr lange warten, ehe sie mit einem Oscar ausgezeichnet wurden. Ein gutes Beispiel ist Alejandro González Iñárritu, der mit Amores Perros (2000), gedreht damals noch in seiner Heimat Mexiko, einen weltweiten Sensationserfolg gefeiert hatte. Auch seine weiteren Filme galten (und gelten) als herausragend (für Babel etwa wurde er 2006 als bester Regisseur bei den Filmfestspielen in Cannes ausgezeichnet) – aber erst 2015 klappte es auch mit den Oscars, dafür aber umfangreich: Für sein ungewöhnliches Drama Birdman erhielt er Auszeichnungen in den drei Hauptkategorien Bester Film, Beste Regie und Bestes Originaldrehbuch; dazu kam noch der Kamera-Preis für Emmanuel Lubezki. 2016 wiederholte der mexikanische Filmemacher bei The Revenant das Kunststück, als bester Regisseur ausgezeichnet zu werden, ebenso Lubezki – und, das ist fast noch wichtiger: Endlich, endlich erhielt auch Leonardo DiCaprio, ein anderer Langzeit-Wartender, „seinen“ Preis als bester Hauptdarsteller. Viermal war er als Schauspieler (und einmal als Produzent) nominiert gewesen, ehe es endlich klappte. Die Erleichterung und die Freude waren ihm durchaus anzusehen, auch wenn viele Fachleute – und das nicht ganz zu Unrecht – meinten, es habe Filme gegeben, bei denen er die Auszeichnung mehr verdient hätte, etwa für seine Tour de Force in Martin Scorseses The Wolf of Wall Street (2014).

Martin Scorsese ist ein gutes Stichwort: Kaum jemand von seinem Rang und seiner Kapazität – wir reden immerhin von einem der angesehensten und anerkanntesten Regisseure der gesamten Filmgeschichte – musste so lange auf seinen Regie-Oscar warten wie der heute 76-jährige New Yorker. Das ist besonders absurd, wenn man auf seine Filmografie blickt, die Meisterwerke wie Taxi Driver, Raging Bull, The Age of Innocence, Aviator usw. umfasst. Nominiert war er sehr oft, und doch dauerte es bis 2006, ehe er für The Departed, der nun wirklich nicht zu seinen größten Werken zählt, den Preis erhielt. Scorsese ist ein besonderer Fall, denn neben dieser jahrelangen Missachtung seitens der Academy musste er auch noch miterleben, wie sein Film Gangs of New York (2002), der für zehn (!) Oscars nominiert war, völlig leer ausging – ein Schicksal, das er mit dem nicht minder berühmten Steven Spielberg teilt, dessen The Color Purple (1986) trotz elf Nominierungen am Ende ohne Preis dastand. Und überhaupt, Steven Spielberg: Auch er musste – trotz einer Vielzahl kommerziell und auch künstlerisch herausragender Filme – von seinem Debüt im Jahr 1971 bis zu Schindler’s List (1994) warten, bis man ihm endlich einen Regie-Preis aushändigte. Diesem folgte dann für Saving Private Ryan (1999) ein weiterer.

Am allerlängsten jedoch musste eine ganze Bevölkerungsgruppe warten, nämlich 81 Jahre, von 1929, dem Jahr der ersten Oscar-Verleihung, bis zum Jahr 2010. Erst da konnten sich die Academy-Mitglieder dazu durchringen, endlich einer Frau den Oscar in der Kategorie Beste Regie zu überreichen, und zwar der damals 59-jährigen Kalifornierin Kathryn Bigelow. Der verdienten Regisseurin, die im Laufe ihrer Karriere wahrlich einige prächtige Filme (Near Dark, Blue Steel, Strange Days) gemacht hatte, gelang es mit dem atemberaubenden Kriegsfilm The Hurt Locker als erster Frau, die begehrte Trophäe zu erringen, und dazu noch sechs weitere (u.a. bester Film und bestes Originaldrehbuch). Seither ist allerdings wieder Funkstille. Mit Greta Gerwig (Lady Bird) war 2018 zwar eine Frau nominiert, sie wurde allerdings nicht ausgezeichnet – ebenso wenig wie Rachel Morrison, die immerhin heuer eine weitere Männerdomäne knackte: Als erste Frau war sie – für ihre großartige Arbeit an Mudbound – in der Kategorie Beste Kamera nominiert. Der Weg ist noch weit ...

 



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