For when my outward action doth demonstrate
The native act and figure of my heart
In compliment extern, ’tis not long after
But I will wear my heart upon my sleeve
For daws to peck at: I am not what I am. (Iago)
William Shakespeare, Othello, 1. Akt, 1. Szene
Wie der schillernde Mephisto in Goethes Faust dem Titelhelden die Show stiehlt, spielt in Shakespeares Othello Jago die eigentliche Hauptrolle: ein Intrigant, wie er im Buche steht, verschlagen, intelligent, mit mörderischem Talent für üble Machenschaften ausgestattet. Kein Wunder also, dass Philip Seymour Hoffman, Oscarpreisträger für Capote (2005), sich die Rolle für die Neuinszenierung, die am 14. Mai bei den Wiener Festwochen Premiere feiert, sicherte. Allein seine Präsenz wäre schon Grund genug, sich eine Theaterkarte zu kaufen, doch auch die Rolle des eifersüchtigen Titelhelden, der alle Höllen der Leidenschaften durchwandert, ist mit dem US-Schauspieler John Ortiz hochkarätig besetzt. Auf der Leinwand bisher in kleinen Rollen, etwa in Michael Manns Miami Vice (2006) zu sehen und aktuell mit Fast & Furious in den Kinos, kann Ortiz in der Rolle des Mohren von Venedig zeigen, welche Vielseitigkeit in ihm steckt. Auch das Objekt der Begierde, Desdemona, wird von einer Schauspielerin verkörpert, für die das Kino kein Fremdland ist: Marin Ireland war hierzulande zuletzt in Sam Mendes’ Revolutionary Road auf der Leinwand zu sehen.
Für die Inszenierung zeichnet Avantgarde-Regisseur Peter Sellars verantwortlich. Wer mit den Arbeiten des regelmäßig in Österreich gastierenden Amerikaners vertraut ist, weiß daher, dass kein klassisches Kostümdrama, sondern eine Befragung des Textes auf gegenwärtige Befindlichkeiten zu erwarten ist. Sellars setzt nur acht Schauspieler auf der Bühne ein, verwendet Computerbildschirme, TV-Screens und Handy-Displays, um über „unsere Welt impulsiver, digitaler Sofortkommunikation, gedankenloser E-Mails und Nachrichtensendungen“ zu reflektieren, so der Regisseur. Die Ära von Präsident Obama sei vielleicht „ein guter Zeitpunkt, um das Stereotyp vom schwarzen Mann als Bedroher der weißen Frau, das seit vier Jahrhunderten dazu herhalten muss, Wahlen zu gewinnen und Gefängnisse zu (über)füllen, zu überprüfen, neu zu denken und hoffentlich zu entschärfen“, so Sellars weiter.
Wer noch Karten für diese Inszenierung ergattern konnte, kann sich glücklich schätzen. Denn wie oft kann man hierzulande schon einen Oscar-Preisträger hautnah auf der Bühne erleben? Von Shakespeare im englischen Original ganz zu schweigen.
