Coco Chanel – Der Beginn einer Leidenschaft

| Walter Gasperi |

Der Weg der jungen Coco Chanel vom Waisenmädchen bis zu ihrem Durchbruch als Modeschöpferin.

Coco avant Chanel Entsprechend dem Originaltitel zeichnet die Luxemburgerin Anne Fontaine nicht das Leben der legendären Modeschöpferin nach, sondern konzentriert sich auf die Zeit vor ihrem Aufstieg zu Berühmtheit. Durch diese Fokussierung vermeidet Fontaine das Abhaken von dramatischen Höhepunkten, das viele Biopics kennzeichnet. Nur die Einlieferung ins Waisenhaus am Beginn wird durch das Insert „1893“ zeitlich exakt fixiert, denn nach einem kurz darauf folgenden Zeitsprung von 15 Jahren entwickelt Coco avant Chanel eine durchgängige flüssige Erzählung, bei der man am Ende ohne Kenntnis der biografischen Hintergründe kaum sagen könnte, ob nun ein Jahr oder 15 Jahre vergangen sind. Stets nahe an der von Audrey Tautou als ebenso selbstbewusste wie zerbrechliche junge Frau gespielten Protagonistin lässt Fontaine aber nicht nur jeden kritischen Akzent vermissen, sondern klammert auch den historischen Kontext komplett aus. Überrascht erfährt man so am Ende, dass Chanels große Liebe erst 1922 ums Leben kam und somit während der erzählten Zeit immerhin beispielsweise der Erste Weltkrieg stattgefunden haben muss. Andererseits wirkt der Film durch die Konzentration auf Chanel wie aus einem Guss. In jeder Szene ist sie präsent und schon bei der Fahrt ins Waisenhaus übernimmt die Inszenierung ihren genauen Blick auf die Welt und die Menschen, der sie später befähigen wird, die Damenmode zu revolutionieren. Was der späteren Modeschöpferin dabei zugeschrieben wird, baut Fontaine gekonnt, aber wohl fiktiv in ihren der Biografie von Edmonde Charles-Roux folgenden Film ein. Da darf Chanel ausgiebig im Cabaret das Lied „Qui qu´a vu Coco?“ singen, das ihr zum Beinamen „Coco“ verholfen haben soll, und mit dem Lockern und späteren Entfernen des Korsetts  wird ebenso Chanels Satz „Ich habe die Frauen aus ihrem Korsett befreit“ direkt in eine Episode umgesetzt, wie mit dem Entwurf eines Ballkleids  die Entstehung des „kleinen Schwarzen“. Die schlichte Eleganz ihrer Mode korrespondiert mit der visuellen Oberfläche des Films. In stilvolles, die tristen Lebensumstände wohl beschönigendes Grau taucht Christophe Beaucarnes Kamera das Waisenhaus und später die Nähstube, in der Chanel arbeitet. Warmes Rot und Braun dominieren dagegen beim Cabaret. Detailreich, erzählerisch aber etwas kraftlos und langweilig wird das Belle-Époque-Leben auf einem Landschloss geschildert, dessen Kontrast zur Mode Chanels erst und gerade durch die Bilder von einer Modeschau anschaulich zu Tage tritt.