Ein mythischer Film über die traumatisierten Opfer des peruanischen Bürgerkriegs.
Kleine zarte grüne Triebe, die wie Ärmchen eines Kindes wirken, wachsen aus der Kartoffel, die Fausta (Magaly Solier) in ihrer Vagina trägt. Immer wieder muss die eingeschüchterte junge Frau die Pflanze zurechtstutzen, damit sie von ihrem Körper nicht Besitz ergreift. Ebenso ergeht es der schweigsamen Fausta mit dem Trauma der Mutter, die während des peruanischen Bürgerkrieges vergewaltigt worden ist und die ihre krankhafte Angst vor der männlichen Penetration auf ihre Tochter übertragen hat. Als die Mutter der überbehüteten Fausta stirbt, muss diese sich plötzlich ihren Ängsten stellen und ihr Leben selbst in die Hand nehmen. Umso mehr ihr dies gelingt, umso heftiger beginnt ihr Körper die Kartoffel und somit auch ihr altes Leben abzustoßen.
Regisseurin Claudia Llosa, Nichte des peruanischen Schriftstellers Mario Vargas Llosa, ist es mit La teta asustada gelungen, an den Erfolg ihres Debüts Madeinusa (2006) anzuknüpfen. Als erster peruanischer Film nahm La teta asustada am internationalen Wettbewerb der diesjährigen Berlinale teil und errang mit dem Goldenen Bären gleich den Hauptpreis. Wie in ihrem Erstling arbeitet die Regisseurin nicht nur mit der Schauspielerin Magaly Solier zusammen, sondern widmet sich auch dem gleichen Thema: der Geschichte ihres Landes und insbesondere dem Schicksal der indigenen Bevölkerung. Diese werden in der peruanischen Gesellschaft noch immer stark diskriminiert und sind von jeher die Leidtragenden von politischen Konflikten und Kämpfen innerhalb der peruanischen Gesellschaft. In ihrem Film nähert sich Claudia Llosa dieser Geschichte über die kulturelle Sprache der Bevölkerung und greift deshalb für die Erzählung von Faustas Geschichte auf viele mythologische Riten und Weisheiten der indigenen Bewohner zurück. Wie zum Beispiel, dass das Leid der Mütter durch die Muttermilch an die Töchter weitergegeben wird.
Eine weitere Besonderheit des Films ist der Gesang Faustas, mit dem sie versucht, ihrer unaussprechlichen Pein eine Stimme zu geben. Llosas Inszenierung gelingt es dabei, einen unmittelbaren Zugang zu den Gefühlen der Zuschauer herzustellen. Eine metaphorische Selbstbefreiungsgeschichte, deren farbenprächtige Bilder im Gegensatz zur Ernsthaftigkeit des Themas stehen und durch die das Publikum einen Einblick in die Seele eines Landes werfen darf, den einem kein noch so gutes Geschichtsbuch vermitteln kann.
