Carriers

| Jörg Schiffauer |

Die Flucht vor einem todbringenden Virus entwickelt sich zu einem Horrortrip.

Weltuntergangsszenarien zählen schon seit geraumer Zeit zum festen Repertoire des Genre-Kinos. In der Ära des Kalten Krieges war die latente Bedrohung durch den globalen Atomkrieg beliebter Ausgangspunkt diverser Endzeit-Fantasien, derzeit – wenn beinahe jede Grippewelle von Warnungen vor einer, die Existenz der Menschheit bedrohenden Pandemie begleitet wird – sind andere Schreckensszenarien en vogue. Demzufolge ist es dann auch ein Virus, dessen Ursache allerdings nie näher erklärt wird, dass die Gefahrenlage in Carriers klar definiert. Die Ansteckungsgefahr ist hoch, die Erkrankung endet immer tödlich, ein Gegenmittel ist nicht in Sicht.

Vier junge Leute versuchen sich zu retten und der Seuche zu entkommen, ihr Ziel ist ein einsamer, abgelegener Strand, auf dem sie in glücklicheren Kindheitstagen immer ihren Surfurlaub verbracht haben. Die Fahrt dorthin führt das Quartett über weitgehend verlassene Highways, denn das unheimliche Virus hat die Bevölkerung der Vereinigten Staaten mittlerweile merklich dezimiert. Und jedes Aufeinandertreffen birgt ein hohes Risiko: Begegnet man Infizierten, läuft man Gefahr, selbst zu erkranken, trifft man auf noch gesunde Menschen, ist die Bedrohung noch größer – denn die versuchen mit allen Mitteln, das eigene Überleben zu sichern.

Carriers besticht durch seinen ungewöhnlich ruhigen, bedächtigen Duktus, psychologisch sorgsam aufgebaute Spannungsmomente und eine intensiv-bedrückende Atmosphäre, auf blutige Schauwerte oder spektakulären Action-Einlagen verzichtet die kluge Inszenierung dann auch fast vollständig. Es sind keine durch das Virus zu mordgierigen Monstern mutierte Wesen, die zur Bedrohung werden, sondern ganz normale Menschen, die durch den Verlust staatlicher und sozialer Strukturen jegliche Humanität und Anstand verloren haben und auf archaische Methoden setzen, um sich etwa Treibstoff zu besorgen. Die Angst um das eigene Leben setzt nach und nach die schlimmsten menschlichen Eigenschaften frei, auch innerhalb der Gruppe beginnt der Zerfallsprozess einzusetzen. War man zunächst noch durch die Bedrohungen von außen zusammengeschweißt, beginnt durch den permanenten psychischen Druck und die potenziell allgegenwärtigen Gefahren schließlich auch die Solidarität zwischen den Protagonisten brüchig zu werden. Misstrauen und Angst werden zu ständigen Begleitern, die Reise zur vermeintlich rettenden Oase entwickelt sich zu einem immer schlimmer werdenden Alptraum.