Viennale Blog 6

Prince Avavanche

| Anna Theiretzbacher |

Prince Avalanche von Regisseur David Gordon Green, geboren 1975 in Little Rock, Arkansas, erzählt von einer etwas anderen Männerfreundschaft. Im Jahr 1988 verbringen Alvin und Lance ihren Sommer als Straßenarbeiter. Kilometer für Kilometer tragen die Beiden gelbe Fahrbahnmarkierungen auf einer Straße auf, die durch ein von einer Feuerkatastrophe verbranntes Waldgebiet in Texas führt. Das Paar könnte ungleicher nicht sein: Alvin ist ein naturliebender, in sich gekehrter Mann. Er hört Sprachkassetten, um Deutsch zu lernen, und versucht sein Gefühlschaos, ausgelöst durch die bröckelnde Beziehung zu seiner Freundin, zu ordnen. Lance dagegen ist ein kleiner Taugenichts, er hat nur Augen für schöne Frauen und große Partys. Die menschenleere Natur findet er nicht erholsam, sondern nur langweilig. Durch seine Schwester, Alvins Freundin, bekam er den Job als Straßenarbeiter.
Obwohl die zwei so ungleich und unvereinbar erscheinen, entsteht zwischen den beiden eine Art „Hass-Liebe“, eine ganz besondere Männerfreundschaft. David Gordon Green fängt großartige Bilder ein. Zwischen den Dialogen der Protagonisten kommen immer wieder Nahaufnahmen der menschenleeren Natur. Man wird im ersten Moment fast erschlagen von den satten und kräftigen Farben, die verwendet werden. Obwohl der Schauplatz ein verkokeltes, schwarzes Landgebiet ist, schafft es der Regisseur, jedes Bild bunt zu gestalten. Egal, ob es die Kleidung der Protagonisten, die Markierungen der Straße oder die umliegende Natur ist, jedes Bild wird von einer Farbe domniert. Häufig ist das Gelb, die giftige Farbe der Fahrbahnabgrenzung und des Neides. Aber auch der Sonne und der Lebensfreude. Die Dialoge der Personen wirkten auf mich keinesfalls gestellt. Fast spontan reihten sich Witze, Metaphern, Beleidigungen und tiefgründige Worte aneinander, was den herrlichen Eindruck entstehen lässt, das man die zwei von ganz Nahem beobachtet, und nicht etwa in einem Kinosessel sitzt. Großartig fand ich die Verwendung des Tons in David Gordon Greens Film, beziehungsweise die „Nicht-Verwendung“ von Tönen. Ganz genau wurde überlegt, wann gesprochen und wann geschwiegen wird. Wann man Grillen im Hintergrund hört und wann nur vollkommene Stille. Der Film spiegelt mit viel Humor die schräge Freundschaft zweier unterschiedlicher Männer wieder, die über dass Leben und ihre Probleme philosophieren, die Unsinn machen und die brutal ehrlich zueinander sind. Denn mit Freunden redet, streitet und trinkt man. Doch mit den wahren Freunden kann man auch nur die Stille genießen.