Viennale-Blog 13

The Act of Killing

| Marie-Theres Feichtner |

Wie verrückt muss ein Regisseur sein, um diesen Film zu drehen? Beantworten kann man diese Frage schon nach den ersten zehn Minuten von The Act of Killing. Joshua Oppernheimer drehte eine Dokumentation über den indonesischen Holocaust in Zusammenarbeit mit den damaligen Massenmördern.
Die groteske Anfangsszene lässt nicht im Geringsten erahnen, was einen in den nächsten zweieinhalb Stunden erwartet. Tanzende Frauen in goldenen Kleidchen trippeln aus dem Maul eines überdimensionalen Kois und räkeln sich synchron vor der Kamera.
Kurz darauf lernt der Zuseher zwei Männer kennen. Zwei Männer, die einen großen Teil ihres Lebens in den späten sechziger Jahren damit verbracht haben, an der Ermordung von mehr als einer Million Menschen mitzuwirken.
Stolz präsentieren sie ihre Vorgehensweise, um die Morde möglichst „sauber“ auszurichten. Am selben Ort, wo massenhaft gemordet wurde, steht einer der Schuldigen und erzählt von seinen Hobbys, tanz, pfeift und lacht.
Von nun an wird ein Film im Film gedreht: Die indonesischen Gangster möchten ihre Taten dokumentieren, um sie für die Ewigkeit festzuhalten, und auch den Jungen ihres Landes zeigen zu können, dass sie wesentlich grausamer waren als die damaligen Kommunisten, fast wie eine Art perverses Vorbild: „Wir waren die Grausamsten!“ Wie einen Sieg, eine große Errungenschaft in ihrem ach so bedeutsamen Leben feiern sie mit der Gesellschaft ihre Morde.
Während der Dreharbeiten fallen Sätze wie „Tötet ihn ruhig, es ist nicht schlimm, wenn er stirbt“ oder, sehr konträr dazu: „Das wird ein guter Familienfilm, so lustig wie der ist“.
Ich glaube, dadurch wird sehr deutlich, mit welch grausamer Gelassenheit die Hauptdarsteller diese Dokumentation sehen. Mir selbst setzte diese Art, solche Gewalttaten darzustellen, wesentlich mehr zu als beispielsweise Originalaufnahmen aus Konzentrationslagern, auf denen die Taten mehr oder weniger „direkt“ zu sehen sind.
Nach knappen zwei Stunden der Dokumentation musste ich trotz großen Interesses den Saal verlassen, weil ich nicht mehr davon hören, geschweige denn sehen wollte.
Eine groteske und gleichzeitig grausame Dokumentation, die starke Nerven sowie eine gewisse Gleichgültigkeit erfordert, um nicht mitten unter der Vorstellung aufzuspringen und die Leinwand anzuschreien, was diesem Monster von Mensch durch den Kopf geht.
Um sich ein Bild der damaligen Situation zu machen, würde jedoch schon die erste Stunde absolut ausreichen. Jegliche zusätzliche Gewalt verstand ich als weitere Provokation, als Mittel zur psychischen Belastung der Zuseher. Eine Möglichkeit für diese Männer, ihren Größenwahn auszuleben, dabei nicht mal einen Ansatz von Reue zu zeigen und das der ganzen Welt zu demonstrieren.
Das harmonische und friedliche Sounddesign untermalt die groteske Art dieses Werks deutlich und  passt nicht wirklich zum Inhalt der Dokumentation.
Der Film ist mit Sicherheit aufschlussreich für Interessierte, jedoch nichts für Leute mit schwachen Nerven, die sich zu stark in Sachen hineindenken. Distanz bewahren und darüber nachdenken, anders geht es in diesem Fall nicht.