Von der Schwierigkeit des Wiederbeginns nach der Katastrophe: Zarte Liebe kollidiert mit Trauma.
Inzwischen sind fast sechs Jahre vergangen, seit in Takua Pa, einer Stadt im Süden Thailands, achttausend Menschen ums Leben kamen. Fortgerissen von der großen Flutwelle, die im Dezember 2004 nicht nur die Küste verwüstete, sondern auch die Seelen der Überlebenden.
Wonderful Town hat Aditya Assarat sein von einem Besuch in Takua Pa inspiriertes, 2007 entstandenes Spielfilmdebüt genannt – und wundervoll ist in der Tat die Landschaft, inmitten derer sich Ton wiederfindet, ein junger Architekt aus Bangkok, der den Neubau einer Ferienanlage überwachen soll. Wunderbar friedlich wirkt auch die nahe gelegene kleine Stadt, in der Ton Unterkunft findet: in einem unscheinbaren, fast leeren Hotel, das geführt wird von der jungen Hotelwirtin Na. Wunderschön erscheint dem Städter all das – die Ruhe auf dem Land, die Frau aus der Provinz; Ton entspannt sich und beginnt einen zarten Flirt mit Na, den diese zaghaft erwidert.
Doch ebenso wie die Baustelle der neuen Ferienanlage direkt neben den Ruinen der vom Tsunami zerstörten alten Ferienanlage liegt, liegt knapp unter der ländlichen Idylle das Trauma. Und während in den Überresten der zerstörten Häuser die Geister der Mitgerissenen ihr Unwesen treiben, gebiert die Schockstarre der Lebenden Monster. Ton sieht diese Monster, diese Traumata, ebenso wenig wie er den misstrauischen Blick, mit dem Nas Bruder Wit ihn beobachtet, richtig zu deuten weiß. Er erkennt nicht die Gefahr, die sein naiver Annäherungsversuch heraufbeschwört. Es ist, als wäre er geblendet von soviel Schönheit – der Frau, der Landschaft –, als wäre er eingelullt vom Frieden des Ortes, der in Wahrheit Grabesruhe ist.
Dass Wonderful Town von weit mehr handelt als der Liebesgeschichte zwischen Ton und Na bemerkt man nicht sofort. Die metaphorische Ebene, die Aditya Assarat seinem Film allmählich und fast unmerklich einzieht, ist fragil und so zerbrechlich wie der Alltag in dieser Gegend voller Wunden und Verwundeter. Und doch bietet diese Ebene, die in der Begegnung von Mann und Frau schließlich stellvertretend Stadt und Land in ein Ausbeutungsverhältnis zueinander setzt, eine Erklärung für das ebenso bestürzend wie kryptisch wirkende, gewalttätige Ende. Nur dadurch, dass die Figuren über sich selbst hinausweisend vom Leben einer ganzen Gesellschaft nach einer existenziellen Katastrophe erzählen, erhält der abschließende Ausbruch den Nimbus einer reinigenden Opferhandlung und damit beinahe etwas Tröstliches.
