Viennale-Blog 24

The Bay

| Anna Theiretzbacher |

Waren Sie schon einmal in einem Horrorfilm, ohne es zu wissen? Ich habe das geschaft. Zunächst klingt „The Bay“ wie eine Art Umwelt- und Polit- Aufdeckungsgeschichte: Die kleine Stadt Chesapeake Bay im US-Bundesstaat Maryland lebt von ihrer gleichnamigen Bucht: Das Meer bietet Arbeit für Fischer, liefert Nahrung und ist Ziel vieler Touristen. Doch Abwässer und Abfall hiesiger Hühnerfarmen werden in die Bucht abgeleitet, und dies bleibt nicht ohne Folgen. Durch die vielen toxischen Chemikalien wird das Wasser zu einer Art Niststelle für mutierte Riesenparasiten. Als zwei Forscher diesem Phänomen auf die Spur kommen, dabei aber sterben, wird der Vorfall unter den Tisch gekehrt, um Panik zu vermeiden. So breitet sich der Parasit immer weiter aus, bis das gesamte Wasser infiziert ist. Kommt man damit in Berührung, verbreitet sich der Parasit im gesamten Körper, und während er wächst, bekommen die Menschen Blasen und Pusteln auf ihere Haut. Ist der Parasit nach ungefähr acht Stunden ausgewachsen und hat sich in kleine, käferartige Viecher geteilt, fressen diese ihre Wirte von innen auf.
Die Botschaft, unsere Gewässer vor Verschmutzung zu schützen, steht also nicht im Vordergrund von The Bay. In erster Linie ist dies nämlich ein wirklich nervenzerfetzender Horrorfilm. Regisseur Berry Levinson mischt gefinkelt Skype- und Handy-Videos, manchmal auch vermeintliche Überwachungsvideos mit professioneller Kamera, und das kreiert eine tolle Voyeur-Atmosphäre à la Blair Witch Project.
Der Film erfordert für Horrorfilm-Anfänger starke Nerven, oder zumindest einen dicken Pullover, in den man sich verkriechen kann.