„Night Moves“ von Kelly Reichhardt
Ein Ex-Marine, ein junger Gemüsebauer, eine Wellnesstempel-Besitzerin irgendwo im nirgendwo in der amerikanischen Pampa. Alle drei radikale Umweltschützer und Hinterzimmeraktivisten. Was sie eint, ist ein Plan. Ein gefährlicher, radikaler Plan. Sie wollen einen Damm, der Teil eines Stauseesystems ist, in die Luft jagen, da dieser dem Ökosystem schadet. Dazu kaufen sie ein Boot, tonnenweise Kunstdünger und ein bisschen Dynamit. Bei Nacht und Nebel zünden sie die Bombe. Der Plan gelingt, doch ein Camper verliert in den Fluten sein Leben. Die drei Aktivisten werden zu Mördern, und – allen voran das Mädchen – sie kommen mit ihrem Schicksal nicht zurecht. Das Mädchen droht das merkwürdige Trio zu verraten, um ein reines Gewissen zu bekommen. Der Gemüsebauer will sie überzeugen und erwürgt sie dabei unabsichtlich. Er muss untertauchen.
Night Moves hätte ein Film sein können, der zeigt, wie absurd das amerikanische Umweltaktivistentum beizeiten werden kann. Wie unüberlegt und kurzsichtig die Kämpfer für die gute Sache gegen die kapitalistische, globalisierte Welt der Klimasünder vorgehen. Hätte zeigen können, wie ausweglos die Lage derer ist, die alleine gegen alle kämpfen, weil ihnen das Schicksal des Planeten am Herzen liegt.
Night Moves hätte ein Film sein können, der zeigt, wie durch Missgeschicke und unglückliche Umstände, gute Menschen mit Ziel und Herz zu Kriminellen werden – und wie sie damit umgehen.
Aber bleiben wir damit lieber im Konjunktiv.
Weder kommt, in Folge der erdrückenden Langsamkeit, und Reichhardts Bedürfnis, jeden kleinsten unwichtigen Schritt der Charaktäre genau zu dokumentieren, keinem Punkt im Film Spannung auf, noch gelingt eine besonders gehaltvolle Atmosphäre – trotz der ja eigentlich sehr vielversprechenden Story. Der Film ist ebenso unästhetisch wie seine Hauptdarsteller, und ergibt an Schlüsselszenen einfach keinen erkennbaren Sinn. Und er bleibt von Anfang bis Ende hundertprozentig vorhersehbar. Wendungen kündigen sich durch plumpe – wenn auch ohne Zweifel sehr lang behirnte – Hinweise an und nehmen dem Film damit jeglichen Wind aus den Segeln. Langsamkeit als neuer, hipper, künstlerisches Touch wird gnadenlos überstrapaziert. Kein genretypisches Klischee ist Reichardt zu ausgelutscht, keine schmalzige Rehaugenszene zu billig. Die Charaktere sind farblos und plump. Ihnen fehlt jede Form von Lebendigkeit, sie verändern sich von Anfang bis Ende kein bisschen, und bleiben stets nichts anderes als hoffnungslose Klischees. Die Dialoge sind leblos und uninteressant – und darüber hinaus kaum verständlich. Große Teile des Films sind mit geradezu jämmerlicher Synthesizermusik untemalt, und an cineastischen Höhepunkten erklingen – und das ist kein Witz – Panflötentöne. (Panflöten sollte generell gesagt der filmischen Zensur unterliegen).
Night Moves hätte großes Potenzial gehabt, hat aber leider so gar nicht funktioniert.
