Klaustrophobischer Thriller, in dessen Mittelpunkt der Protagonist in der Enge eines Sargs um sein Leben kämpft
Das Liniendesign und der nervös-repetitiv organisierte Score des Vorspanns von Buried erinnern nicht zufällig an die Credits-Sequenzen von Saul Bass und Bernard Herrmann, dem famosen Team, das wichtige Arbeiten von Alfred Hitchcock eingeleitet hat. Der spanische Regisseur Rodrigo Cortés ist nämlich ein großer Hitchcock-Verehrer und Buried ein Versuch, dem Meister nachzueifern. Paul Conroy, ein im Irak arbeitender Lastwagenfahrer, erwacht tief unter der Erde in einem Holzsarg. Mithilfe eines Mobil-Telefons, das er in seinem schrecklichen Verlies findet, versucht er Licht ins absolute Dunkel zu bringen. Ein unverschämter Schwenk im Drehbuch zaubert später noch andere Gegenstände in seine Hände. Die Vorgabe ist auffallend fokusiert. Die Kamera bleibt ohne Unterbrechung beim Protagonisten im Sarg. Doch Cortés und sein Drehbuchautor Chris Sparling lassen keinen Trick ungenutzt und holen schließlich doch die ganze Welt in ihren Film, auch für Youtube ist da plötzlich Raum in der Kiste. Und so führt Paul Conroy hektische Gespräche mit unterkühltem Pentagon-Personal, seiner nachtragenden Ex-Frau, seiner an Demenz leidenden Mutter, seinem bösartigen Arbeitgeber, seiner entsetzten Frau und natürlich auch mit jenem eiskalten Iraker, dem er sein Gefängnis zu verdanken hat. Das Kinopublikum bekommt die dramaturgischen und moralischen Klischees in einer Art ermüdender Melange aus Film und Hörspiel dargeboten.
Bei all dem Gerede haben die Filmemacher leider ihre Hauptfigur vergessen. Keine der unzähligen Wendungen dient der vertiefenden Charakterisierung der einzigen Person, die man zu sehen bekommt. Hauptdarsteller Ryan Reynolds schnaubt und windet sich mit unglaublicher Anstrengung durch den Film, doch bleibt der Zuschauer nur distanzierter Beobachter. Identifikation mit dem Protagonisten ist daher kaum möglich, der Sargdeckel schließt sich nicht über dem Kopf des Zusehers. Da hilft es auch nicht, dass hier ständig die subjektive Kamera herbeigezaubert wird. Die wilden Manöver der eingesperrten Kamera- und Lichttechnik sind dort wirkungsvoll, wo sie die Distanz ausloten. Einige Male schwebt das Kino-Auge in einer unmöglichen Position weit über dem Sarg und findet um diesen herum nur Finsternis. Dem Unsinn wird in solchen Momenten Einhalt geboten, und was bleibt, ist beängstigendes Schweigen und drohende Musik.
Was hat das alles jetzt mit Hitchcock zu tun? Nicht viel, so ganz ohne Blondine und Suspense …
