„Vic et Flo ont vue un ours“ von Denis Côté
Zwei weibliche Ex-Knackis ziehen zu einem Pflegefall (und Onkel der einen) aufs Land. In den Wald. Wo‘s wirklich gar nichts gibt. Sie leben ein entspanntes und durch und durch merkwürdiges Leben. Man kümmert sich um den Garten, geht in‘s Dorfcafé trinken und lässt sich von Unbekannten nach Hause bringen. Hin und wieder holt die beiden die Vergangenheit ein, und eine fiese alte Bekannte kommt vorbei und bricht Vic (oder war es Flo?) ein Bein. Oder man schießt mit Jagdgewehren auf Bäume. Regelmäßiger Besucher der Waldeinsamkeit ist Guillaume, der schwule Bewährungshelfer von Flo (oder war es doch Vic?). Die Geschichte entwickelt sich, bis sich der Zuschauer an die anfangs doch sehr ungewöhnliche Situation gewohnt hat – und nimmt auf einmal eine abrupte, alles verändernde, vernichtende Wendung: Vic und Flo treten in zwei Bärenfallen, die die schrullige Gangsterbraut gemeinsam mit ihrem bärengroßen Handlanger auf einem Waldweg ausgelegt haben. Es folgen 20 Minuten ekelerregendes Sterben und ein Kind mit Trompete.
Denis Côté präsentiert mit Vic et Flo einen gänzlich ungenießbaren Film. Besonders gegen Ende entledigt sich die Storyline jeglichen Sinnes oder einer vorher trübe erkennbaren Message. Bis zu besagter Kehre (Bärenfalle etc.) kann der Film durchaus gefallen – ein bisschen merkwürdig, aber das passt schon so. Die Charaktere sind ausgeklügelt und spielen mit konventionellen Zugängen zu Sexualität und Geschlecht, und man beginnt das ungewöhnliche Duo geradezu ins Herz zu schließen. Und auf einmal ist es aus. Und ein langes, auch für den Zuschauer schmerzhaftes Ende erstreckt sich über das gesamte letzte Drittel des Filmes.
Vic et Flo bewegt sich abseits von jeglichem Genrekino, regt weder auf noch schmeichelt er, ist – für meinen Geschmack – gänzlich unnötig. Doch wer auf krankes, merkwürdiges, komisches Kino mit herzlich vielen What the F*ck- Momenten steht ist bei Denis Côté genau an der richtigen Adresse. Bleibt die Frage: Genre-los – ist das auch ein Genre?
