Männer in der Krise schwimmen sich frei.
Es gibt Sportarten, die sind – streng betrachtet – etwas skurril. Synchronschwimmen ist eine davon. Mit abgeklemmter Nase und aufgesetztem Lächeln im Wasser herumzutanzen, hat eine gewisse unfreiwillige Komik. Und wenn sich dann auch noch Männer mittleren Alters im Becken abmühen, sind Lacher garantiert.
Ein versoffener Polterabend-Scherz steht auch zu Beginn der schwedischen Komödie Männer im Wasser. Die Verlierertruppe rund um den arbeitslosen Journalist Fredrik dreht ein Spaßvideo für die Hochzeit eines Freundes. Sie werden vom Fleck weg engagiert und entdecken wider Erwarten ihre Passion für das Wasserballett. Mehr noch: Sie setzen sich zum Ziel, Schweden bei den Weltmeisterschaften im Kunstschwimmen in Berlin zu vertreten. Regisseur Mans Herngren hat aber keinen Film über Randgruppensportarten gedreht, sondern über Männer, die in jeder Hinsicht in der Krise stecken. Eigentlich ist es in erster Linie Fredrik, dessen Leben aus der Bahn geraten ist. Mit Anfang Vierzig steht er ohne Job, ohne Beziehung und mit einer pubertierenden Tochter da. Allerdings ist in dieser Vater-Tochter-Konstellation eindeutig Sara die Erwachsene. Sie zeigt nicht nur Fredrik, sondern der ganzen Truppe, wo es lang geht, und lässt die älteren Herren im wahrsten Sinne des Wortes nach ihrer Pfeife tanzen/schwimmen.
Nicht nur in der Vater-Tochter Beziehung scheinen die Rollen vertauscht zu sein. Auch sonst spielt Mans Herngren, der gemeinsam mit Jane Magnusson (einer Synchronschwimmtrainerin) das Drehbuch geschrieben hat, gekonnt ironisch mit den Geschlechterrollen. So sind es plötzlich die Männer, die in einer weiblich dominierten Sportart erfahren müssen, was es heißt diskriminiert zu werden. Auf schwedisch unverkrampfte Weise lässt Herngren seine (heterosexuellen) Helden nach und nach ihre weiblichen Seiten entdecken – ohne dabei in allzu seichte Gewässer abzudriften.
Jonas Inde spielt Fredrik mehr trotzig als verbittert. Wie ein kleiner Junge, der sich etwas in den Kopf gesetzt hat, verfolgt er verbissen sein Ziel. Nur um am Schluss zu erkennen, dass das Leben ein Teamsport ist und man manchmal verlieren muss, um zu gewinnen.
Regisseur Herngren ist ein unprätentiöser, einfühlsamer Film gelungen, der unterhält und dankenswerterweise der Versuchung widersteht, sich des allzu Offensichtlichen zu bedienen. Und der supercoole Unterwassersound der Indie-Band The Soundtrack of Our Lives lässt nicht nur Schweden schweben.
