Viennale-Blog 35

The Bay

| Marie-Theres Feichtner |

Tatsächlich ist es mir gelungen, aus Versehen einen Horrorfilm anzusehen, und dann auch noch um 11 Uhr vormittags. Die eher nüchterne, ekelfreie Beschreibung von Barry Levinsons The Bay im Festivalprogramm ließ auf eine Art dokumentierenden Spielfilm schließen, doch weit gefehlt. Staatsfeiertag in Amerika, eine kitschig übertriebene Feier im US-Bundesstaat Maryland, und mittendrin im Feiertags-Wirbel die Fernsehreporterin Donna, die wie jedes Jahr das Spektakel für ihre Zuseher dokumentiert. Ausgerichtet von der Stadt Chesapeake Bay, steht das Fest auch dieses Jahr unter dem Motto „Wasser“. Doch das soll noch am gleichen Tag allen zum Verhängnis werden.
Nach der Anfangsszene der Feierlichkeiten sieht man Donna einige Jahre später. In einem Skype-Gespräch meint sie verängstigt, dass die Ereignisse von damals endlich aufgedeckt werden müssten. Donna ist eine der wenigen Augenzeuginnen von damals, und nun wird der Film zur Mischung aus vermeintlich alten Beweisvideos, damals aufgenommenem, aber nie gesendetem TV-Material, hin und wieder unterbrochen von Donna selbst, die Kommentare abgibt und selbst berichtet. Kern der Aufregung: Die Vergiftung des Wassers in der Bucht, das für die Bewohner von Chesapeake Bay seit jeher unkontrolliert zur universalen Verwendung gewesen war.  Über Jahre hinweg jedoch hatten bereits Umweltschützer auf die Problematik hingewiesen, dass ein Abwasserleck einer gleich neben dem Ufer gelegenen Hühnermastfarm ihre Abwässer ungefiltert dorthin ableitet. Auch zwei Ozeanografen entdecken zu jener Zeit, dass die Bucht voll ist mit toxischen Flüssigkeiten und auch die Kläranlage zu schwach ist, um alles zu reinigen. An die Medien geht diese Meldung jedoch zu spät raus, und die ersten Opfer weisen bereits merkwürdige Symptome auf.
Aus verschiedenen Blickwinkeln wird die Geschichte von The Bay spannend und facettenreich beleuchtet und versetzte mich damit in Angst und Schrecken.
Levinson greift hier auf die Mittel des typischen Horrorfilms zurück: dunkle, schaurige Szenerie, ab und an flackernde Einspielungen in Grüntönen sowie jede Menge Blut. Der große Pluspunkt von The Bay ist meiner Meinung nach der unvorhersehbare Handlungsverlauf. Man weiß nicht bereits von Beginn an, wie die Szene endet, wer stirbt oder was als nächstes aus dem Gebüsch springt, wie es leider beim Großteil der Filme diese Genres der Fall ist.
Eine gut durchdachte Storyline, die sich kontinuierlich in den parallelen Handlungen wiederfindet, sodass man regelrecht auf den Kommentar „Beruht auf einer wahren Begebenheit“ wartet. Zum Glück aber bleibt einem dieser erspart, und am Ende darf man sich selbst mit den Worten „das war ja nur ein Film“ besänftigen.