Knochentrockene schwarze Tragikomödie aus Norwegen um einen Haftentlassenen
Nach zwölf Jahren Haft wird Ulrik aus dem Gefängnis entlassen. Frontal blickt er in der ersten Einstellung in die Kamera, aber sein Blick gibt nichts über seine Gedanken preis. Der Wärter gibt ihm zum Abschied noch eine Weinflasche mit, wünscht ihm alles Gute und fordert ihn auf, nur nach vorne und ja nicht zurück zu schauen. Und so marschiert Ulrik in eine winterlich kalte und auch ziemlich hässliche, ganz in Grau- und Blautöne getauchte Welt.
Mit einem an Buster Keaton erinnernden versteinerten Gesicht spielt Stellan Skarsgård diesen Ex-Häftling, der nicht recht weiß, wie es weitergehen soll. Vorgeplant und vorgesorgt hat für ihn im Grunde schon der Kleingangster Jensen, der den ehemaligen Kumpel drängt, sich an dem Mann zu rächen, der ihn einst verraten hat. Doch Ulrik bleibt zurückhaltend, versucht lieber zögerlich Kontakt zu seinem inzwischen verheirateten Sohn zu knüpfen, der den Vater zunächst verleugnet.
Ganz aus der Perspektive seines Protagonisten erzählt Regisseur Hans Petter Moland und ordnet die schrägen, aber immer wieder auch Mitleid erweckenden Typen, denen Ulrik in seinem neuen Leben begegnet, wie Satelliten um ihn herum an: Da ist Jensens grobschlächtige und ungepflegte Schwester, bei der er in einem Kellerloch untergebracht wird, das trister wirkt als jede Gefängniszelle. Bis zum Überdruss wird Ulrik hier allabendlich mit Fischlaibchen und Kartoffeln versorgt, doch als Gegenleistung fordert die Hausherrin Befriedigung ihres sexuellen Verlangens. Und auch in der Autowerkstatt, in der ihm Jensen einen Job verschafft, lernt er keine heile Welt kennen: Der Chef ist ein Neurotiker, und dessen als Sekretärin arbeitende Tochter wird von ihrem aggressiven Ex-Mann brutal verprügelt.
Lange gibt es in dieser schwarzen Tragikomödie, bei der sich Moland vom grotesken Humor eines Quentin Tarantino ebenso beeinflussen ließ wie von der lakonischen Erzählweise und den vom Leben geschlagenen Figuren eines Aki Kaurismäki, keinen Moment des Glücks. Überall werden Einsamkeit und Verzweiflung, aber auch dahinter liegende Sehnsüchte sichtbar, doch die Lakonie und die knochentrockenen Dialoge federn die Tristesse ab und lassen den Zuschauer einerseits mitfühlen und andererseits trotz allem lachen. Zu weit geht Moland allerdings bei Jensens Schwester, die er gnadenlos überzeichnet und bloßstellt. Gerade diese deprimierenden Begegnungen lösen bei Ulrik aber einen Nachdenkprozess aus, sodass Ein Mann von Welt schließlich auch von einer Wiedergeburt erzählt und der kalte Winter vom wärmenden Licht des Frühlings abgelöst wird.
