Filmkritik

Howl

| Bettina Schuler |

Biopic über den Dichter Allen Ginsberg

Allen Ginsbergs Gedicht „Howl“ ist mehr als ein Stück Literaturgeschichte. Es ist zugleich auch ein Spiegel seiner Zeit und einer Kulturszene, die sich Anfang der Fünfziger für Modern Jazz und Bebop begeisterte und ihr eigenes literarisches Genre gründete: die Beat Generation. Ein Begriff der Ende der Vierziger Jahre von Jack Kerouac ins Leben gerufen wurde und eine kleine Gruppe von Literaten umfasste, die bereits einen Lebensstil führten, der in den Sechzigern dank der Hippiebewegung massentauglich wurde und zu dem Drogen ebenso dazugehörten wie das offenen Ausleben der Sexualität. Mit ihren Werken, in denen über Drogenkonsum ebenso deutlich gesprochen wird wie über ihre Sexualleben, trugen sie wesentlich zu einer Öffnung der bis dato sehr prüden US-amerikanischen Gesellschaft bei. Insbesondere da die Versuche deren Publikation gerichtlich zu unterbinden schlussendlich scheiterten. So auch bei Allen Ginsbergs Gedicht „Howl“, das die beiden Regisseure Rob Epstein und Jeffrey Friedman in dem Mittelpunkt ihres ersten Spielfilmes stellen und anhand dessen sie versuchen, ein Bild des damaligen Zeitgeistes zu zeichnen.

Den Hauptrahmen ihres Filmes bildet dabei ein fiktives Interview, in dem James Franco alias Allen Ginsberg über sein Leben, die Entstehung und die Bedeutung des Gedichtes erzählt und das allein schon durch Francos klarer und durchdringender Stimme zu den stärkeren Momenten des Filmes zählt. Unterbrochen wird dieses Interview durch drei weitere Erzählstränge, Ginsbergs legendäre Lesung des Gedichtes in San Francisco, den Prozess gegen seinen Verleger und den Versuch, das Gedicht durch Trickbilder zu visualisieren. Sehr viele Bausteine aus vielen filmischen Genres, die dazu führen, dass der Film zerstückelt und collagenartig ist und man als Zuschauer kein wirkliches Gefühl für diese Zeit bekommt. Zudem wirkt die nachgestellte Gerichtsverhandlung auf Grund ihrer extrem konventionellen und hölzernen Inszenierung als stamme sie aus einer Dokutainment-Produktion für das Fernsehen und nicht aus einem Kinofilm. Auch der Versuch, Bilder für dieses sehr eigene Gedicht zu finden, scheitert kläglich. Nicht nur, weil die Zeichnungen der Trickfilmsequenzen – wenn man sie mit Waltz with Bashir oder Persepolis vergleicht – platt und eindimensional wirken, sondern auch, weil sie sich bei der Visualisierung viel zu konkret an den Wortlaut des Gedichtes halten und gerne einfach nur das bebildern, was  im Off rezitiert wird. Und so fragt man sich am Ende des Filmes, ob es nicht besser ist sich gleich das Gedicht selbst durchzulesen, anstatt sich einen Film darüber anzusehen.