Mein bester Feind

Filmkritik

Mein bester Feind

| Günter Pscheider |

Unausgewogene, aber kurzweilige Tragikomödie um einen Juden, der sich als SS-Offizier ausgeben muss, um zu überleben

Der neue Film von Wolfgang Murnberger fängt ähnlich wuchtig und subtil an wie Bertoluccis 1900, um dann im Lauf der Handlung immer mehr in eine boulevardeske Schwejkiade abzudriften. Dieser Versuch, mindestens zwei Filme in einen zu packen, gelingt gerade bei österreichischen Genrewerken sehr selten und auch hier scheitern die Kreativen an der falschen Erwartungshaltung, die sie in den durchaus gelungenen ersten zwanzig Minuten beim Publikum wecken. Erzählt wird hier die uralte Geschichte einer Freundschaft zwischen zwei im gleichen Haushalt aufgewachsenen Spielkameraden unterschiedlicher Herkunft. Dem charmanten jüdischen Kunsthändler Viktor fallen Anerkennung und Wohlstand in den Schoß, während für seinen besten Freund Rudi, dem Sohn der langjährigen Haushälterin, nur die Brotkrumen übrig bleiben. Zusätzlich sind beide in Lena verliebt, die sich aber schon längst für

Viktor entschieden hat. Doch Rudi sieht seine Chance auf den Aufstieg gekommen, als die Nazis in Österreich die Macht übernehmen und er als militärisch in Deutschland ausgebildeter SS-Mann über Leben und Tod entscheiden kann. Wer nun eine Charakterstudie über den potenziell ungemein spannenden Konflikt zwischen Freundschaft und Habgier, zwischen Vergeben und Rache erwartet, wird enttäuscht, denn der Rest der Handlung wird vorangetrieben durch die Jagd der Nazis nach einer Originalzeichnung von Michelangelo, die der Vater von Viktor knapp vor der Deportation der Familie versteckt hat. So geraten die zwei Protagonisten in immer unwahrscheinlicheren Wendungen in eine Situation, wo der KZ Häftling Viktor und der Nazischerge Rudi die Plätze tauschen. Das wird alles flott erzählt und zumindest von Moritz Bleibtreu auch kongenial gespielt – Georg Friedrich darf in seiner üblichen Rolle als irgendwie doch sympathischer Proletenarsch leider nur wenige konstruktive Sätze sprechen –, aber die Charaktere entwickeln sich überhaupt nicht weiter und die enormen inneren Konflikte aller drei Hauptfiguren werden nicht dramaturgisch eingesetzt. Dafür geht gefühlt beinahe die Hälfte der Zeit für die mäßig spannende und auch sehr vorhersehbar inszenierte Frage drauf, wo das Original jetzt eigentlich steckt, sind doch auch einige Fälschungen des Michelangelo im Umlauf. Trotz des hohen Tempos und der an und für sich guten Story – was nicht stimmt ist die Gewichtung – bleibt ein leicht schaler Nachgeschmack ob der vergebenen Chance, ein erstklassiges Charakterdrama mit ironischen Untertönen zu schaffen und nicht einen weiteren Film, der zwischen allen Genrestühlen sitzt.