Viennale-Blog 40

Ein Film der seiner Zeit voraus war

| Julian Vierlinger |

Manuela von Gonzalo Garcia-Pelayo

Gonzalo García Pelayo ist ein Mann, der viele Leben gelebt hat. Mitte der siebziger Jahre begann er mit dem Filmemachen und hörte acht Jahre später wieder damit auf. Später entwickelte ein mathematisches System, um Casinos beim Roulette zu schlagen – und zwischen durch gab er den Manager für Sänger und Stierkämpfer (ja, Stierkämpfer).
2013 fing er dann wieder an Filme zu machen. Mit Alegrias de Cadiz lief auch sein neuestes Werk bei der Viennale.
Manuela
war sein erster Film, der im Jahre 1976 in Spanien erstmals in die Kinos kam, das Publikum begeisterte (spanienweit 1,2 Millionen Zuschauer) und die Kritiker verärgerte – die spanischen Schreibfedern zerrissen den Film förmlich in Stücke. Bei der diesjährigen Viennale wurde Manuela zum ersten Mal außerhalb Spaniens gezeigt. Und zwar endlich. Denn er ist ein Meisterwerk.
Manuela, titelgebende Protagonistin (gespielt von der atemberaubend schönen Charo López) betört auf einem kleinen andalusischen Landgut die Männerherzen. Ihr Vater ist ein Wilderer der am Anfang vom später ehemaligen Landbesitzer erschossen wird, ihre Mutter Melonenverkäuferin. Beim Melonenverkaufen einige Jahre später – unter dem neuen gutherzigen Landbesitzer Don Ramón – trifft sie auf den Arbeitslosen António und seinen kleinen Sohn Antoniño. Antoniños Mutter starb vor einem Monat. Wenige Monate später heiratet Antonio Manuela und baut ihr mit Don Ramóns Unterstützung ein kleines Haus am Feld.
Von Don Ramón über Moreno, den Wächter mit regimekritischer Vergangenheit, bis zu einem unguten Erntegehilfen und schließlich (15 Jahre später) dem erwachsenen Antoniño sind alle Hals über Kopf in die schöne Manuela verliebt. Doch die Komplikationen bleiben aus. Alle gestehen sie ihr ihre Liebe, doch sie bleibt die Unberührbare, die von allen protegiert wird – und als nach einer verhängnisvollen Nacht mit der amerikanischen Nichte des Landbesitzers Antonio mit einer Lungenentzündung nach Hause kommt, und Don Ramón nach einer verhängnisvollen Nacht mit eben dieser, seiner amerikanischen Nichte an einer Herzerkrankung zu sterben droht, findet schließlich Antoniño zu Manuela. Und alles wird gut. Alle sind glücklich.
Manuela
war einer der interessantesten Filme der diesjährigen Viennale. Er ist eine Liebserklärung an die Frauen, an die starken, tollen Frauen, und eine Liebeserklärung an das erz-katholische Andalusien. Eine Mischung, die man sonst nicht zu oft zu sehen bekommt. Zwischen den Zeilen der auf den ersten Blick recht unpolitischen Handlung verbergen sich politische Statements und Bezugnahmen, die beweisen, dass Manuela ein Film ist, der tatsächlich seiner Zeit voraus war. Und darüber hinaus ist er wunderschön. Spanische Pampa-Ästhetik trifft auf verspielte Erotik und bildhübsche Frauen. Die Dialoge sind geradezu poetisch und versprühen den Charme von frühem amerikanischen Abenteuer- oder Western Kino. Und ein besonderes Merkmal ist weiters die Filmmusik, der besondere Geltung zu teil wird – nicht zuletzt ob des untypischen Kommentars des Regisseurs, dass „der Film die Musik begleitet, und nicht umgekehrt“.