Palais des Festivals / Cannes, Frankreich
Da kann einen schon die Gänsehaut packen: Wenn die 2.400 Sitzplätze dieses gigantischen Festivalkinos sich füllen, wenn die sonore Lautsprecherstimme sagt: „Mesdames et messieurs, veuillez gagner vos places, la séance commence“, wenn der riesige Vorhang aufgeht, die berühmte Signation erklingt (aus Ennio Morricones Score zu Terrence Malicks Days of Heaven), und die berühmte Treppe mit der Goldenen Palme darüber auf der Leinwand erscheint. Hier, man kann es ohne Übertreibung sagen, wird Filmgeschichte geschrieben, hier erleben legendäre Filme ihre Weltpremiere, seit das von den Architekten Bennett & Druet errichtete Palais 1982 seine Pforten öffnete: von Wild at Heart über Pulp Fiction und In the Mood for Love bis hin zu Festen und Todo sobre mi madre. Hier werden die Goldenen Palmen verliehen, hier ist – neben Hollywood natürlich – der Nabel der Filmwelt. Hier werden Karrieren gemacht (die von Steven Soderbergh etwa, der als 26-Jähriger die Palme für sex, lies and videotape erhielt, oder die von Emir Kusturica, der zweimal gewann) und Karrieren zerstört. Glanz und Glitter, Triumph und Niederlage, das Lumière hat alles schon erlebt und überlebt. Auch die Enttäuschung des Lars von Trier, der 1991 (er war mit Europa im Wettbewerb) in Richtung des Jurypräsidenten Roman Polanski meinte: „Der Zwerg hat mich nicht gewinnen lassen.“
