Miss Kicki

Miss Kicki

| Ines Ingerle |

Eine Reise nach Taiwan soll eine brüchige Mutter-Sohn-Beziehung retten.

Kicki (Pernilla August) kehrt nach längerer Zeit in Amerika in ihr Heimatland Schweden zurück und muss erkennen, dass ihr 16-jähriger Sohn Viktor (Ludwig Palmell), der von seiner Großmutter aufgezogen wurde, beinahe ein Fremder für sie geworden ist. In der Hoffnung, die gestörte Mutter-Sohn-Beziehung verbessern zu können, bucht Kicki einen gemeinsamen Urlaub in Taiwan. Die Reise hat allerdings für sie einen weiteren, fast wichtigeren Grund: Sie möchte Mr. Chang, einen taiwanesischen Geschäftsmann, mit dem sie eine Internetromanze unterhält, endlich persönlich kennen lernen.

Miss Kicki wird von den Elementen Hoffnung, Erwartung und Enttäuschung geprägt. Es scheint, als würde jede Erwartung unweigerlich eine Enttäuschung implizieren, als könnte keine der Figuren Hoffnung haben, ohne dass diese zum Scheitern verurteilt ist. „You are like me – you are sad, but happy outside“, sagt der taiwanesische Hotelbesitzer zu Kicki und führt ihr damit die Wahrheit vor Augen. Die Charaktere in Miss Kicki sind nicht wirklich glücklich, auch wenn sie dies nach außen hin zu sein scheinen. Doch genau dieses Faktum verbindet die Figuren auf eine eigentümliche Art und Weise. Sie alle teilen das gleiche Schicksal der Unzufriedenheit, wenn auch mit verschiedenen Hintergründen. Diese Unzufriedenheit und das daraus resultierende Missbehagen legen sich wie ein Schleier über die Geschichte dieses Films, der es schafft, Wesentliches zu sagen, ohne Sprache zu gebrauchen, und Stimmungen durch stumme Interaktion der Schauspieler, wundervoll ästhetische Bilder und einen unglaublich schönen Score zu erzeugen. Die Erkenntnis, dass es das Gegenüber im Leben ebenso schwer hat, wie man selbst, tritt sukzessive ein, lässt den Schleier allmählich fallen und ermöglicht den Figuren schlussendlich eine Annäherung zueinander.

Regisseur Hakon Liu lässt dies sehr langsam geschehen – und er tut gut daran, denn die vielen einzelnen Themen, die er in Miss Kicki verpackt und behandelt, würden vermutlich kein schnelleres Tempo vertragen. Stellenweise bekommt man so oder so das Gefühl, dass alles ein wenig viel ist für 85 Minuten und fürchtet, schon bald eine bleierne Schwere zu verspüren, die man möglichst rasch wieder loswerden will. Doch Lius Inszenierung versteht es weitgehend, eine gewisse thematische Überfrachtung abzufedern und Motive wie Liebe, Freude, Enttäuschung und Leid so gekonnt zu kombinieren, dass das Endergebnis überaus sehenswert ist.