Ein Anwalt, der um die Schuld seines Mandanten weiß, gerät in einen Gewissenskonflikt.
In I Confess wissen wir Katholiken, dass ein Priester ein Beichtgeheimnis nicht preisgeben darf, aber die Protestanten, Andersgläubigen und die Agnostiker denken: „Es ist doch lächerlich zu schweigen“, erzählte Alfred Hitchcock gegenüber François Truffaut. Nun ist der Katholizismus mit Sicherheit unkomplizierter als das US-amerikanische Justizsystem, und ein Priester, dem ein Mord gebeichtet wurde, ist ein einfacherer – mithin effektvollerer – Ansatz für einen Thriller als ein Verteidiger, dem sein Mandant das Verbrechen gestanden hat und der wegen seiner anwaltlichen Pflichten vor Gericht nicht gegen ihn aussagen darf. Und deshalb einen kniffligen Plan konstruieren muss, um den Schuldigen, den er beschützen muss, doch noch der Gerechtigkeit zuzuführen.
Die erste Stunde des Films führt schnörkellos auf diesen Punkt des Konflikts und der Konfrontation zu. Wir lernen Anwalt Mick Haller kennen, der weiß, dass Kleinvieh auch viel Mist macht, aus dem man es wieder rausziehen muss: Deshalb vertritt er die Kleinkriminellen, die sonst einem lustlosen Pflichtverteidiger ausgeliefert wären, handelt mit Erfolg und gegen relativ geringes Honorar Deals aus und holt sich mit listigen Tricks und kleinen Betrügereien gerne noch ein paar Dollar mehr bei denen, die zahlen können. In seinem mobilen Büro auf dem Rücksitz seines Lincoln Continental rast er von Gerichtstermin zu Gerichtstermin – und gerät eines Tages an Louis Roulet, einen reichen, verwöhnten Schnösel, dem Vergewaltigung und versuchter Mord vorgeworfen werden. Ryan Phillippe spielt ihn engelhaft und eiskalt, wobei es irreführend ist, dass der deutsche Titel den Fokus auf den Mandanten legt statt auf den „Lincoln Lawyer“. Denn das Drehbuch zeichnet Roulet eher blass, während Matthew McConaughey in der Rolle des Anwalts Mick Haller seinen lächelnden Lover-Charme abgelegt hat und sich durchbeißt zwischen mühseligem Geldverdienen und dem Drang nach Gerechtigkeit.
Auch in der zweiten Filmstunde ist McConaughey eine Säule, an die sich der Zuschauer halten kann. Der Handlung mit ihren vielen Volten hechelt man gedanklich eher hinterher, weil es nicht nur juristischen Spitzfindigkeiten und Tricksereien zu folgen, sondern auch die grundsätzlichen Spielregeln zu rekonstruieren gilt: Haller muss mit Staatsanwalt, Richter und Mandanten jonglieren, um unbefleckt aus der Zwickmühle herauszukommen. An sich ist das ziemlich clever – hätte aber auch um einiges cleverer inszeniert werden können.
