Viennale-Blog 47

Michael Kohlhaas

| Max Paier |

Michael Kohlhaas ist eine Adaption des gleichnamigen Romans von Heinrich von Kleist. Regisseur Arnaud des Pallières hat die Handlung nach Frankreich transferiert, und trotz oder gerade wegen der Reduktionen, die der Regisseur am literarischen Originaltext durchgeführt hat, gerät der Film episch, brutal und intensiv.
Schon im Buch ist der Rosshändler der Ansicht, dass, wenn es keine Gerechtigkeit gibt, es auch keine Ungerechtigkeit geben kann. Im Film verkörpert Mads Mikkelsen den Kohlhaas hervorragend; grundsätzlich einer der charismatischsten und philosophischsten Protagonisten, die ich kenne, ein gebrochener Mann, der nur Gerechtigkeit erlangen möchte.
Des Pallières hat die Handlung im Wesentlichen übernommen:  Der Rosshändler Michael Kohlhaas ist mit seinen Pferden, die er verkaufen möchte, auf dem Weg zum Marktplatz. Als er an eine Zollstelle kommt und keinen Passierschein dabei hat, zwingt ihn der ansässige Baron, zwei Rappen als Pfand zu hinterlassen. Als Kohlhaas nach längerer Zeit wieder zurückkommt, sind die Pferde verwahrlost, abgemagert und krank. Der Rosshändler zieht vor Gericht, doch er wird abgewiesen. Da sie ihrem Mann helfen will, wendet sich Kohlhaas’ Frau an die Prinzessin des Landes und wird dabei so schwer attackiert, dass sie später ihren Verletzungen erliegt. Der Rosshändler beschließt, sie zu rächen, bis ihm Recht widerfährt, denn in einer Welt, in der es kein Recht gibt, gibt es auch kein Unrecht.
Zur Atmosphäre im Film trägt nicht nur die Musik bei, die von Instrumenten wie Flöten und Drehleiern kommt, sondern auch die atmosphärisch komponierten Bilder. Die allgemeine Farbarmut des Films und die langen Kameraeinstellungen, in denen Kohlhaas mit seinen Männern durch die neblige Landschaft reitet, wirken allesamt stimmig.
Michael Kohlhaas
ist eine bildgewaltige Verfilmung und überzeugt mit guten Schauspielern, viel Mittelalter-Flair und einem ausgezeichneten Drehbuch. Wirklich sehenswert!