Julia Roberts und Tom Hanks als Traumpaar in einer idealisierten Welt, die zu schön ist, um wahr zu sein.
Viele Menschen über vierzig kennen das deprimierende Gefühl, wenn man nach langjähriger treuer Tätigkeit in einem Betrieb im Zuge von „Rationalisierungsmaßnahmen“ plötzlich freigestellt wird und kaum Hoffnung auf einen angemessenen neuen Arbeitsplatz besteht. Oder wenn man, durch die immer gleiche Arbeitsroutine angeödet, die Lust am Job verliert und sich Ehepartner nach Jahren des Zusammenlebens nur noch gegenseitig auf die Nerven gehen. Leute, lasst den Kopf nicht hängen, Larry Crowne zeigt, wie man in solchen Lebenskrisen spätes Glück findet!
Als der übereifrige, mehrfach als „Mitarbeiter des Monats“ ausgezeichnete Larry ohne Vorwarnung seine Anstellung im Supermarkt verliert, trifft es ihn hart wie eine Krebsdiagnose. Doch Larry ist eine umgängliche Frohnatur und hadert nicht lange mit seinem Schicksal. Durch hohe Schulden belastet geht er munter auf Jobsuche, ohne Erfolg. So entschließt er sich zur Weiterbildung. Am College nimmt eine bildhübsche Studentin den über 50-jährigen Spießer unter ihre Fittiche, möbelt sein Äußeres modisch auf, gestaltet seine Hauseinrichtung neu und führt ihn in ihre Motorroller-Clique ein. Wie ein alt gewordener Mod kurvt Larry nun während seiner Freizeit im Pulk mit seiner Zweirad-Horde durch die Gegend. Sein Glück wird perfekt – und das ist hier kein Spoiler, weil im Film und vom Plakatmotiv her von vorneherein klar, als er das Herz seiner von Julia Roberts hervorragend gespielten Rhetorik-Lehrerin erobern kann.
Zu Anfang sieht man die Frau mit dem breitesten Lächeln Hollywoods als ausgebrannte Pädagogin, sarkastisch und mit Alkohol als Tröster. Ihr Ehemann hockt untätig zuhause und interessiert sich mehr für Internet-Models als für seine Frau. Mit Hilfe von Larry gewinnt sie ihre Lebenslust zurück in diesem realitätsfernen Wohlfühlfilm mit gutmütigen Menschen und ganz ohne Bösewichte.
Regisseur und Drehbuch-Ko-Autor Tom Hanks zeigt mit mildem Humor und verhaltenem Spiel in der Titelrolle eine Bilderbuch-Welt ohne wirkliche Not und propagiert indirekt bürgerliches Wohlverhalten im kapitalistischen System (am College lernt Larry unter anderem, wie das Bankgeschäft läuft.) Sozial engagierte oder tatsächlich hoffnungslos in elenden Verhältnissen lebende Menschen dürften sich angesichts dieses letztlich ziemlich verlogenen, dem Profit millionenschwerer Kinoinvestoren dienenden Star-Vehikels verdrossen abwenden.
