The Hobbit: The Desolation of Smaug

| Günter Pscheider |

Auch im zweiten Teil der Hobbit-Trilogie setzt Peter Jackson auf opulentes Spektakelkino.

Über den Inhalt des von den Fans sehnsüchtig erwarteten zweiten Abschnitts der Hobbit-Trilogie muss man nicht viele Worte verlieren. Auf der Reise des Zwergenkönigs Eichenschild und seiner Gefährten samt dem Titel gebenden Hobbit Bilbo Beutlin Richtung ehemaliger Heimat lauern wieder viele Gefahren, die mit Hilfe der Elfen überwunden werden müssen. Es treten auf: ein Grizzlywolfsmensch-Gestaltwechsler, der den Helden hilft, schließlich mag er Orks noch weniger als Zwerge, realistische Riesenspinnen, die einen Arachnophobiker wohl in Angstschweiß ausbrechen lassen, und der Riesendrache Smaug, der daherkommt wie ein übel gelaunter Ultrakapitalist mit unterdrückten weiblichen Anteilen und mörderischem Dauersodbrennen. Die ganzen 160 Minuten lang jagen die Furcht erregenden Orks, denen es erstaunlicher Weise nicht gelingt, einen einzigen Zwerg niederzumetzeln, die Helden durch die fantastischen Landschaften Neuseelands. Ausgedehnte Schwert- und Bogenkämpfe, choreografiert nach guter alter Chinese-Ghost-Story-Manier, wechseln sich ab mit Jump-and-Run-artigen Computerspielsequenzen, in denen die Elfen, auf den Köpfen der Zwerge hin- und herspringend, einen reißenden Fluss hinunter rasen. Zwischen den teilweise wirklich atemberaubenden Actionszenen knüpfen eine Elfin und ein Zwerg sehr zarte Bande, was wohl im dritten Teil noch eine größere Rolle spielen wird, und der Zauberer Gandalf schlägt sich mit der buchstäblichen dunklen Macht herum, die die ganze Welt zu unterjochen droht.
Regisseur Peter Jackson hat selbstbewusst behauptet, dass seine Figuren  keine Exposition mehr brauchen, dass er einfach dort weitermachen kann, wo der letzte Teil aufgehört hat, und damit hat er natürlich recht, allerdings auf eine andere Weise, als er es intendiert hat. In den meisten animierten Kinderfilmen wie Shrek oder Ice Age sind die Charaktere wesentlich weiter entwickelt als in der Hobbit-Saga, und wo jedem Protagonisten maximal eine, noch dazu meist unveränderliche Eigenschaft zugestanden wird, ist prinzipiell keine große Einführung nötig. Es ist zwar positiv zu vermerken, dass das im Tolkien-Universum sehr beliebte Sich-für-die-gute-Sache-Opfern als Thema diesmal kaum vorkommt, allerdings tritt auch kein anderes zwingendes moralisches Problem an dessen Stelle.  Ganz zum Schluss gerät Eichenschild in einen kurzen Konflikt zwischen Heimatliebe und Freundschaft, aber da hat man schon das Interesse an jeder Charakterentwicklung verloren. Auch die Metaphern sind diesmal zum Glück eher dünn gesät, das einprägsame Bild vom Drachen, der unter all dem Gold im Berg schläft, kann immerhin noch als halbwegs gelungene Kapitalismuskritik durchgehen.
Eher nervig gerät hingegen der Versuch, den Drachen mit Hilfe der (Original-)Stimme von Benedict Cumberbatch als interessanten Charakter einzuführen, indem man ihn permanent belangloses Zeug reden lässt, auch wenn Bilbo seinen magischen Ring schon lange wieder abgezogen hat, mit dessen Hilfe er sich unsichtbar machen und die Sprache der Tiere verstehen kann. In der Mitte des Spektakels ertappt man sich bei dem Wunsch, einmal zehn Minuten statt bloß zehn Sekunden lang einfach nur den Helden von der Ferne dabei zusehen zu können, wie sie durch die immer neuen grandiosen Landschaften wandern, ohne dabei die pathetischen Dialoge hören oder die mit der Zeit redundante Eleganz der Bogenschützen-Elfenwesen bewundern zu müssen. Peter Jackson versucht einen förmlich zu überwältigen mit seiner monumentalen Bildsprache und seiner detailgetreuen Ausstattungsorgie. So sehr ist alles auf dieses permanente Staunen ausgerichtet, dass man zumindest als Erwachsener irgendwann verzweifelt nach irgendeiner Art von Substanz zu lechzen beginnt, die es natürlich nicht gibt. Trotzdem ist der Film nicht langweilig, das allein ist bei der dünnen Story und vor allem bei den fehlenden inneren Konflikten eine wahre Meisterleistung. Das liegt natürlich an der grandiosen Vorstellungskraft des ehemaligen Splatter-Regisseurs und an den mittlerweile enormen Budgets, mit deren Hilfe er seine visuellen Kompositionen adäquat auf die 3D-Leinwand bringen kann.