Schräger Sex, schräge Bilder, schräge Töne – auf geradem Weg ins Trash-Paradies
Der Pinkfilm ist ein verdienstvolles Genre, das es so nur in Japan gibt. In ihm treffen freizügige erotische Darstellungen, kreative Produktionsbedingungen, experimentelle Ausdrucksformen und, nicht selten, widerständig kritische Inhalte aufeinander. Der Pinkfilm ist das Schmuddelkind, das mit seinen wagemutigen Versuchsanordnungen, die mit den aus der westlichen Pornografie bekannten Stellungskriegen nichts gemein haben, auch dem Mainstreamkino immer wieder neues Terrain erschließt. Vielen Regisseuren diente das Genre als Karriere-Sprungbrett, auf internationalen Festivals reüssiert es seit Jahren und genießt einen guten Ruf als Fundgrube für neue Talente. Der deutsche Verleih Rapid Eye Movies, seit langem um eine möglichst vielfältige Wahrnehmung des asiatischen Kinos im Westen bemüht, realisiert nun mit Imaoka Shinji, einem der führenden Vertreter gegenwärtigen Pinkfilmemachens, seine erste eigene Produktion: Underwater Love, ein „Pink Musical“, wie es weiter heißt. „Märchen“ ließe sich hinzufügen. Denn das, was sich in Underwater Love zuträgt, hat mit der Wirklichkeit nur sehr am Rande zu tun.
Just als Asuka ihren Chef heiraten will, taucht aus heiterem Himmel ihr erster unschuldiger Jugendschwarm Aoki auf. Und zwar, weil er seinerzeit ertrunken war, in Gestalt der Fabelgestalt Kappa, ein im Grunde gutartiges, etwas mutwilliges Schildkrötenwesen, das in Tümpeln lebt, gerne Gurken isst und über ein imposantes Fortpflanzungsorgan verfügt. Aoki will seine alte Liebe vor den Nachstellungen des Todesgottes retten und bringt mit seinem Fluchtplan, der noch dazu das Einführen einer ominösen „Analperle“ vorsieht, wiederum Asukas Hochzeitspläne gehörig durcheinander. Es kommt zu diversen Geschlechtsakten in unterschiedlichen Kombinationen und zwischendurch brechen die Figuren, wie sich das für ein Musical gehört, in Gesang und Tanz aus.
Christopher Doyle, der die Kamera führt, und das deutsch-französische Elektropop-Duo Stereo Total, die die Musik beisteuern, machen jeweils, was sie am besten können. Doyle lässt es jump-cut-blitzen, wackelt mitunter ein bisschen herum und findet ansonsten wunderbare Bilder. Stereo Total dudelt dazu die sattsam bekannten, immer etwas schräg daneben liegenden Instant-Ohrwürmer, hart an der Grenze zur Banalität. Das Ganze ergibt einen höchst seltsamen Film, so gewöhnungsbedürftig wie Sex mit einem Kappa.
