Kriegerin

Kriegerin

| Ines Ingerle |

David Wnendt inszeniert mit „Kriegerin“ einen packenden Film über die rechtsradikale Szene in einer deutschen Kleinstadt.

Die 20-jährige Marisa (Alina Levshin) ist in die rechtsextreme Szene ihrer Ortschaft in Ostdeutschland abgerutscht. Sie trägt Hakenkreuz-Tattoos und verprügelt gemeinsam mit ihrer Clique Ausländer. Ihrer Meinung nach wird ihr Land, ihr Leben, letztlich die ganze Welt durch Demokratie den Bach runtergehen. Sie ist ein Vorbild für die fünf Jahre jüngere Svenja (Jella Haase), die neu zur Clique kommt und Marisas vermeintliche Stärke und Unverfrorenheit bewundert. Nach einer Ausschreitung mit den zwei Asylbewerbern Jamil und Rasul drängt Marisa diese mit dem Auto von der Straße ab und ist dadurch nicht nur Schuld an deren Unfall, sondern auch an der Abschiebung des älteren der beiden, Jamil. Dieses Ereignis hat ungeahnte Folgen und stellt Marisas Weltsicht auf den Kopf. Sie hilft dem nun auf sich alleine gestellten Rasul und begibt sich dadurch selbst in Lebensgefahr.

Kriegerin ist impulsiv, provokant und laut, dabei dennoch gefühlvoll und subtil. Man gewinnt Einblicke in ein Milieu, dem man sonst so fern wie möglich bleibt, und bekommt dadurch eine neue, andere Sichtweise darauf. Der Film ermöglicht durch die Nähe zu seinen Figuren, deren Beweggründe und den Ursprung ihres Weltbildes, ihres Hasses und ihrer ungeheuren Gewalt zu verstehen, ohne jedoch eine verteidigende Haltung einzunehmen.

Manche Elemente wirken allerdings ein wenig aufgesetzt und schablonenhaft. Die Umstände etwa, die Svenja in den Rechtsradikalismus abdriften lassen erfüllen klassische Klischees, derer man sich gar nicht bedienen müsste. Der Zuschauer würde auch so – nicht zuletzt durch die starken schauspielerischen Leistungen – die immense Anziehungskraft verstehen, die die rechtsextreme Szene auf orientierungs- und perspektivlose Jugendliche eines kleinen Dorfs ausübt, die versuchen,  ihren Platz in der Welt und Halt in einer Gruppe zu finden.

Auch die plötzliche Sinneswandlung der Hauptfigur wirkt ein wenig herbeigezwungen. Dass Marisa an ihrem Weltbild zu zweifeln beginnt, ist durchaus plausibel, schimmern doch von Anfang an unter ihrem harten Kern weiche, verletzliche, sehr menschliche Züge durch. Dass ihre Wandlung jedoch in einer derart rasanten Geschwindigkeit vonstatten geht, verwundert.

Trotz seiner kleinen Schwächen bleibt Kriegerin ein durchaus packender und mitreißender Film, der nicht zuletzt durch die bemerkenswerte Leistung der Darsteller besticht.