Im späten 19. Jahrhundert spielende Komödie über die Erfindung des Vibrators
Doppeldeutig ist der deutsche Titel, denn im London der achtziger Jahre des 19. Jahrhunderts verschafft ein Arzt den Frauen der vornehmen Gesellschaft mittels Handarbeit die sexuelle Befriedigung, die die Männer ihnen nicht bereiten können. Zahlreich ist die Kundschaft, sie reicht von der italienischen Opernsängerin bis zur reichen Witwe, sodass die ärztliche Hilfeleistung zur körperlichen Schwerarbeit ausartet. Bald stellen sich folglich auch beim jungen Assistenten Dr. Glanville (Hugh Dancy) Armbeschwerden ein, die an jene von Marianne Faithfull in Irina Palm erinnern. Als Glanville aber seinem reichen Freund (Rupert Everett) zusieht, wie er an der Erfindung eines elektrischen Staubwedels bastelt, kommt ihm eine Idee – und der Vibrator ist erfunden.
Eine Randnotiz der Geschichte ist das, doch Tanya Wexler erzählt darin auch viel über die Zeit. Lustvoll spielt die Amerikanerin das Potenzial der Gegensätze aus und stellt modernen Ideen von Bakterien als Krankheitserreger und der Bedeutung der Hygiene die alte Methode des Aderlasses als Allheilmittel, der Oberschicht mit ihren Luxusproblemen die existenzielle Not der Arbeiter und den Folgen der Industrialisierung eine verkrustete alte Klassengesellschaft gegenüber.
Aber nicht in der Form eines ernsten Kostümfilms, sondern im Gewand einer temporeichen und treffend ausgestatteten Komödie schneidet Wexler diese Themen an, nicht fehlen darf dabei freilich auch eine romantische Liebesgeschichte. Denn während sich Glanville den Regeln seines Arbeitsgebers unterordnet und, um den Job nicht zu verlieren, nicht anecken will, probt dessen temperamentvolle Tochter Charlotte (Maggie Gyllenhaal) den Aufstand. Nichts hat sie mit den Problemen der Reichen am Hut, vielmehr will sie gegen den Willen des Vaters (Jonathan Pryce) ein Armenhaus errichten.
Wie aus der Zeit gefallen wirkt dieser von Maggie Gyllenhaal mitreißend gespielte, engagierte Wirbelwind. In dieser entschiedenen Kämpferin für die Rechte der Frauen, für Zutritt zu den Universitäten und für Wahlrecht, kommt ebenso die weibliche Perspektive des Films zum Ausdruck wie in der Kritik an der Abkanzelung sexuell unbefriedigter Frauen mit der bis 1952 als psychische Krankheit geltenden Hysterie.
Wie sich die Beziehung zwischen Glanville und Charlotte entwickelt, ist zwar vorhersehbar, doch geschliffen und schnell sind die Dialoge, lustvoll agieren die Schauspieler. Da kann das Erzähltempo auch lange über die konventionelle Inszenierung hinwegtäuschen, nur die finale Gerichtsszene wirkt sehr statisch und steril.
