Ruhm

Filmkritik

Ruhm

| Ines Ingerle |

Bemühter, aber gescheiterter Versuch, der famosen Romanvorlage gerecht zu werden

Wir alle sind Teil einer Geschichte, die von jemand anderem geschrieben wird. So oder so ähnlich könnte die Quintessenz des gleichnamigen Romans von Daniel Kehlmann lauten, in dem neun komplett unterschiedliche Geschichten auf raffinierte Art und Weise miteinander verbunden und ineinander verwoben werden.

Ruhm ist der Versuch, diesen Roman in eine filmische Form zu bringen. Ohne die komplexe Erzählstruktur außen vor zu lassen, reduziert Drehbuchautorin und Regisseurin Isabel Kleefeld die ursprünglich neun in Verbindung stehenden Geschichten auf sechs und hat dementsprechend weniger Möglichkeiten, diese ineinander wirken zu lassen. Als Beispiele seien vier genannt: Der Elektroingenieur Joachim Ebling (Justus von Dohnáyi) wird auf seinem neuen Handy von wildfremden Leuten angerufen, die ihn mit „Ralf“ ansprechen. Rosalie (Senta Berger) ist todkrank und reist nach Zürich, um selbstbestimmt aus dem Leben zu scheiden. Das Telefon des Schauspielers Ralf Tanner (Heino Ferch) schweigt seit geraumer Zeit beharrlich, und die Menschen in seinem Umfeld werfen ihm ein Verhalten vor, das er nie an den Tag gelegt hat. Der gefeierte Schriftsteller Leo Richter (Stefan Kurt) erzählt bei einer Lesereise seine neueste Geschichte über die todkranke Rosalie, die beschließt, zu sterben.

Hier lässt sich bereits ein Grundproblem der Adaption festmachen: Der Verlust an Narration und geistreichen Elementen durch den Figurenwechsel kann nicht kompensiert werden. Im Buch ist es nämlich beispielweise nicht die Figur eines fiktiven Autors, sondern der Erzähler Kehlmann selbst, der über Rosalies Schicksal bestimmt und mit dem sie sogar in Kontakt tritt. Mit dem Fehlen eines auktorialen Erzählers fällt dieser reizvolle doppelte Boden nun zur Gänze weg. Ebenfalls keine adäquate filmische Übersetzung findet sich für die verschiedenen charakterisierenden Schreibstile, die jeder Geschichte des Romans zusätzlich Exklusivität einhauchen. Die Konzentration auf sechs Geschichten ist an sich eine gute Idee. Nur dass der Plan leider nicht aufgeht. Immer noch scheint es zu viel Stoff für einen etwa 100-minütigen Film zu sein.

Wie so viele Literaturverfilmungen krankt auch diese daran, dass kaum eine der vielen – im Roman durchaus plastisch wirkenden – Hauptfiguren die Aufmerksamkeit bekommt, die ihr zustünde und die essenziell für Einfühlung und Empathie des Zuschauers wäre. Die Romanvorlage ist eben ein anspruchsvoller Stoff, der so komplex strukturiert ist, dass er kaum in einen funktionierenden Film transponiert werden kann.