Edward von England, Evgeni aus Russland, Wallis und Wally: ein großes Desaster!
Wo beginnen angesichts dieser Pleite epischen Ausmaßes? Bei der penetrant und zu laut jede Sekunde der endlosen 115 Minuten mit pseudodramatischem Aplomb zuschmierenden Musik? Bei der umher irrenden Kamera, die ständig das Gleichgewicht verliert und wahllos Details aus den Bildern herausgreift, nur um sie gleich wieder fallen zu lassen, so als litte sie an ADS? Bei der Montage, die zwischen Gegenwart und Vergangenheit, Kontinenten, Ländern und Städten, dem englischen Fort Belvedere und der New Yorker Park Avenue, dem Auktionshaus Sotheby’s und dem Reich der Phantasie herumspringt wie im Veitstanz? Beim schamlosen Product Placement? Bei der pathologischen Aufmerksamkeit, die der Kleidung, dem Schmuck und dem umfangreichen Tinnef zuteil wird, mit dem reiche Nichtstuer sich behängen und ihre Gemächer schmücken? Oder vielleicht doch besser mit dem Ausdruck des tiefsten Bedauerns darüber, dass Schauspielerinnen vom Kaliber Andrea Riseborough und Abbie Cornish und Mimen wie James D’Arcy und Oscar Isaac sich für diesen Quatsch hergeben?
Aufgeworfen werden all diese Fragen von Madonnas zweiter „Regiearbeit“ W.E., in der sich die Pop-Diva die Liebesgeschichte zwischen der Amerikanerin Wallis Simpson und dem englischen Kronprinzen Edward vorknöpft, der, so will es die Legende, „der Liebe wegen auf den Thron verzichtete“. Planlos gespiegelt wird diese zur größten Romanze des 20. Jahrhunderts verklärte Mesalliance, die politisch wie persönlich beträchtlichen Schaden anrichtete, in der Wahrnehmung Wally Winthrops. Von ihrem reichen Mann erst zum Nichtstun gezwungen, dann nicht geschwängert, nun vernachlässigt und dem russischen Sicherheitsmann Evgeni begegnend, träumt diese sich 1998 anlässlich der Versteigerung des Windsorschen Nachlasses eine wahre und ewige Liebe zusammen – um dann festzustellen, dass es vielleicht doch nicht ganz so einfach war. Ja, ja.
Und natürlich ist da auch noch das klitzekleine Problem der ziemlich fragwürdigen politischen Ansichten des Paares, das, zum Entsetzen der britischen Regierung, Hitler und Mussolini besuchte; von Edward ist zudem der Satz überliefert: „It would be a tragic thing for the world if Hitler was overthrown.“ Peinlich. Doch nicht für Madonna. Nichts weiter als Gerüchte und böswillige Unterstellung sei das mit der Nazi-Sympathisiererei, lässt sie eine ihrer Figuren verkünden. Fall erledigt. Jede/r muss für sich selbst entscheiden, ob er/sie dieser Art von Geschichtsklitterung durch den Kauf einer Kinokarte zuarbeiten will.
