Bestsellerverfilmung als Bildungsbürger-Kino: breit, gediegen, fad

Simon och ekarna ist die Verfilmung des gleichnamigen, 1985 erschienenen Bestsellers der schwedischen Journalistin und Schriftstellerin Marianne Fredriksson, der in 25 Sprachen übersetzt und weltweit über vier Millionen Mal verkauft wurde. Erzählt wird darin die Geschichte des Jungen Simon Larsson, der in den 1940er Jahren in der Nähe von Göteborg aufwächst. Seine Eltern, Erik und Karin, sind bodenständige, einfache Leute, und Simon, der sich eher für Literatur und Musik begeistert, hat oft das Gefühl, nicht so recht in seine Familie zu passen. Jahre später stellt sich heraus, dass Simon der Sohn eines jüdischen Musiklehrers ist und seine Mutter die etwas sonderliche Cousine seines angeblichen Vaters. Bis es allerdings so weit ist und Licht ins Dunkel dieses Familiengeheimnisses gebracht wird, kommt und geht der Zweite Weltkrieg, freundet sich Simon mit seinem jüdischen Mitschüler Isak an, freundet sich Isaks Vater Ruben mit Karin an, verliebt sich Simon in Isaks Nichte Iza, die aus einem KZ befreit wurde, und dann in Klara, eine Kommilitonin. Zwischendurch wird gestritten und sich vertragen, gelogen und gebeichtet, musiziert und handgewerkt.

Unschwer ist zu erkennen: In Simon och ekarna ist eine Menge los. Fredrikssons Roman ist eine episch breit und über mehrere Jahrzehnte angelegte Familiensaga mit umfangreichem Personal, das sich aus komplexen Charakteren zusammensetzt, die sich in dramatische Entwicklungen gestürzt sehen und jede Menge existenziell bedeutsame Erfahrungen machen. Und weil Regisseurin Lisa Ohlin sich des Textes würdig erweisen will, tappt sie in die klassische Falle der Literaturverfilmung: Sie will auf nichts verzichten, kann sich nicht entscheiden, erzählt zu viel. Atemlos heißt es schließlich nur noch: Und dann ist das passiert und dann kam das und dann folgte jenes und dann dieses und außerdem noch das und so weiter. Auf der Strecke bleiben dabei die innere Entwicklung der Figuren sowie die sorgsame Erarbeitung und Lösung ihrer Konflikte. So fehlt eine emotionale Textur, die das Ganze im Innersten zusammenhält, kommt Simon och ekarna kaum einmal über die maßvoll interessante Bebilderung eines anekdotisch alles immer nur anreißenden Handlungsverlaufs hinaus. Am Ende hat man den Eindruck, die weniger verdichtete, als vielmehr mit groben Hieben zurecht gestutzte Kinoversion eines ohnehin überflüssigen TV-Mehrteilers gesehen zu haben.