Videoclipartige Dokumentation über eine heruntergekommene US-Stadt
Bombay Beach, die tiefstgelegene Stadt der USA, war einst als beliebtes Ausflugsziel gedacht. In der Nähe des Saltonsees (der 1905 zufällig durch einen Dammbruch entstand und nun der größte See Kaliforniens ist) wurde der Ort im Jahr 1929 als private Gemeinde gegründet und zog neben Wassersportlern auch Prominente wie Frank Sinatra an. „The Future is now“, heißt es auf Archivmaterial, das am Anfang des Films steht und Menschen zum Kauf von Ferienanwesen animieren sollte. Doch die Realität ist eine andere, wie ein harter Schnitt auf heruntergekommene Wohnwagen zeigt – der American Dream ist hier ausgeträumt. Überschwemmungen und das ökologische Kippen des Sees sorgten für eine Abwanderungswelle. Bombay Beach ist eine sterbende Stadt, deren Einwohner – mittlerweile weniger als 300 – man als Gestrandete des Lebens bezeichnen kann. Regisseurin Alma Har’el, bekannt durch Werbeclips und Musikvideos für Bands wie Beirut oder die Rolling Stones, wählte den Ort als Gegenstand ihres ersten Dokumentarfilms. Sie fokussiert dabei auf die Schicksale eines kleinen Personenkreises, darunter der afroamerikanische Teenager CeeJay, der von Los Angeles hierher zog, weil er nicht wie sein Cousin im Kugelhagel rivalisierender Gangs sterben wollte. Nun träumt er von einer Karriere als Profi-Footballer. Weiters lebt hier Red, der sich seine alten Tage mit Zigarettenschmuggel finanziert und trotz Schlaganfall nicht von Tabak und Whisky lassen will.
Und dann gibt es noch die Parrish Family. Vater und Mutter Parrish sind Waffennarren, die bereits mehrmals mit dem Entzug der Kinder bedroht wurden und zwei Jahre im Gefängnis verbrachten. Dabei seien sie keine Milizionäre, wie Vater Parrish versichert; sie hätten sich bloß gern Uniformen angezogen und in der Wüste Dinge in die Luft gesprengt.
Benny, der jüngste Sohn, leidet an einer bipolaren Störung und benötigt Medikamente wie Lithium.
In seinen besten Momenten macht der Film das Leben inmitten einer trostlosen Umgebung greifbar. Har’el bildet dabei nicht bloß das Geschehen ab, sondern baut choreografierte, traumartige Sequenzen ein, die die Sehnsüchte der Protagonisten visualisieren. Dieser mit Songs (etwa Bob Dylan) unterlegte Kunstgriff wirkt gelegentlich zu gekünstelt und schick, funktioniert aber über weite Strecken. Allerdings fehlt dem Film der Blick auf ein größeres Ganzes namens Amerika; Fragen nach politischen oder sozialen Missständen werden nur angerissen. So ist Bombay Beach eine durchaus sympathische Dokumentation, der allerdings eine Spur mehr Substanz gut getan hätte.
