Skyfall – Ex-Bond-Darsteller Pierce Brosnan im Gespräch

Leben Nach Bond

| Fabián W. Waintal |

Pierce Brosnan im Gespräch über James Bond und den Verlauf seiner Karriere danach.

Pierce Brosnan war vier Mal in der Rolle des berühmtesten Geheimagenten der Welt im Einsatz, ehe er 2002 in Die Another Day zum letzten Mal James Bond verkörperte. Seine schauspielerische Vielseitigkeit hatte Brosnan vor und nach seinem Bond-Intermezzo mehrfach unter Beweis gestellt, dabei arbeitet er mit Regiegrößen wie Tim Burton (Mars Attacks!), John Boorman (The Tailor of Panama) oder Roman Polanski (The Ghost Writer) zusammen. Aktuell spielt er die Hauptrolle in Susanne Biers neuem Film Love Is All You Need.

Sind Sie glücklich darüber, die Rolle des Agenten 007 in den Bond-Filmen hinter sich gelassen zu haben? Oder stört es Sie doch, dass die Produzenten Sie nicht gebeten haben, noch einmal zurückzukommen?
Dieses Kapitel meines Lebens ist abgeschlossen. Da gibt es überhaupt keine Bitterkeit, ich habe nur die besten Erinnerungen an das Jahrzehnt, in dem ich James Bond gespielt habe. Immer wenn ich England bin, denke ich an diese Filme zurück, bei meinem letzten Besuch dort wurde mir aber auch wieder klar, dass dies der Vergangenheit angehört und sich meine Karriere in eine andere Richtung entwickelt hat.

Haben Sie es jemals in Erwägung gezogen, noch einmal einen James-Bond-Film zu machen?
Die Figur des James Bond ist für mich Geschichte. Ich bin mir bewusst, dass ich immer wieder auf Bond angesprochen werde, auch wenn ein Teil von lieber nicht mehr darüber reden möchte. Doch Bond wird immer ein Teil meiner Karriere bleiben.

Vermissen Sie den 007-Charakter?
Sicher vermisse ich ihn, aber es ist auch ein wenig Erleichterung dabei, weil der damit verbundene Druck wegfällt. Ich muss nun nicht mehr dieser Kerl sein, deswegen kann mir auch genau überlegen, wie meine Laufbahn als Schauspieler weitergehen soll. Ich habe eine gewisse Verantwortung für meine Karriere, die hoffentlich noch 20 Jahre dauert, schließlich empfinde ich immer noch eine große Leidenschaft für diesen Beruf. Bond musste einmal zu einem Ende kommen. Dessen muss man sich bewusst sein, wenn man diese Rolle übernimmt, und solange man sie spielt, sollte man aber auch sein Bestes geben.

Wie denken Sie über Daniel Craig, der ja mit der Verfilmung von Casino Royale 2006 die Rolle des James Bond übernommen hat?
Daniel Craig ist ein guter Schauspieler, ich wünsche ihm viel Erfolg.

Haben Sie Ihre Berühmtheit je dafür eingesetzt, um etwa ein Strafmandat nicht bezahlen zu müssen?
Ja. (Lacht.) Sehr oft. Ich entschuldige mich und lasse durchblicken, dass meine Frau und ich sehr gerne den nächsten Polizei-
ball besuchen würden. Im Fall von Nick Nolte hat das aber offenbar nicht so gut funktioniert …

Durften Sie den Aston Martin nach Beendigung der Dreharbeiten von Die Another Day behalten?
Ja, und mit diesem Auto habe ich auch prompt ein Strafmandat bekommen, dem Polizeibeamten war es egal, wer ich war. Es war an einem herrlichen Dienstagmorgen in Malibu, an einer Stelle, die dazu einlud, ordentlich Gas zu geben. Es war sonst niemand auf der Straße, doch als ich einen kleinen Hügel hinunterfuhr, sah ich den tadelnden Blick des Polizisten und musste gleich einmal rechts ranfahren. Ich gab ihm meinen Führerschein, er ging, ohne ein Wort zu sagen weg, und als er zurückkam, hoffte ich auf die Einladung zum Polizeiball, doch stattdessen bekam ich mein Strafmandat. Aber die Geschichte geht noch weiter: Ein
Paparazzo fotografierte das alles, und als die Bilder schließlich im „People“-Magazin erschienen, kam jener Polizeibeamte mit dieser Ausgabe zu meinem Haus und bat mich um ein Autogramm. Das muss man sich einmal vorstellen, der Kerl verpasst mir eine Strafe von 195 Dollar, und dann möchte er noch ein Autogramm!

Wussten Sie, in welche Richtung sich Ihre Karriere nach James Bond entwickeln würde?
Ich habe nie gewusst, wie meine Karriere verlaufen wird, das ist aber auch das Schöne daran. Angesichts der Sicherheiten, die eine Fernsehserie wie Remington Steele oder die James-Bond-Filme mit sich bringen, kann man leicht in Selbstzufriedenheit verfallen. Da ist es gut, wenn man wieder hungrig auf neue Herausforderungen wird.

Könnten Sie Gefallen daran finden, nicht nur James Bond aufzugeben, sondern sich ganz von der Schauspielerei zurückzuziehen und an einem paradiesischen Ort wie etwa den Bahamas zu leben?
Solche so genannten Paradiese sind eine Illusion. Das Paradies kann man auch in London oder in einer anderen Großstadt vorfinden, dazu muss man sich nicht auf eine abgelegene Insel zurückziehen. Dort ist es schön, aber ich mag eben auch das Leben in einer Metropole, auf die Abwechslung kommt es an.

Führen Sie ein Leben wie im Paradies?
Natürlich, ich bin da sicher in einer privilegierten Situation, in meiner Produktionsfirma sitzen zu können und mit einem Cappuccino in der Hand Drehbücher zu lesen und mir zu überlegen, wie ich meine nächste Rolle gestalten soll.

Die Rolle des James Bond hinter sich zu lassen, bedeutete auch, graue Haare ohne Bedenken zeigen zu können und sich nicht um den Status als Sexsymbol scheren zu müssen. Haben Sie vor, vermehrt Rollen zu spielen, die sich in einem fortgeschrittenen Alter befinden?
In diese Richtung soll es gehen. Ich muss mir meines Alters schon bewusst sein. Damit habe ich aber überhaupt kein Problem, die Zeit vergeht eben unvermeidlicherweise. Wenn man älter wird und Rollen spielt, die unter Umständen erfordern, dass man dabei auch sein Aussehen stärker verändert, sollte man auch ein wenig genauer über die Figur nachdenken, die man spielt. Da könnte ich manchmal wieder eitel werden. (Lacht.) Ich sehe schon die Schlagzeile vor meinem geistigen Auge: „Pierce Brosnan will wieder eitel sein.“

Befürchten Sie, Ihren Status als Sexsymbol zu verlieren?
Ich hoffe, Pierce Brosnan wird immer als Sexsymbol gelten. Es wäre ja unnatürlich, wenn ich mich nicht weiterentwickeln würde (zeigt dabei auf seinen Bauchumfang), und das Image als Sexsymbol kann da ruhig mitwachsen. Wenn ich weiß, wer ich bin, mich selbst nicht zu ernst nehme und meine Arbeit als Schauspieler ordentlich mache, dann kann mich dieses Image bis ins Grab begleiten.

Übersetzung: Jörg Schiffauer