Back in the game

Back in the Game / Trouble With the Curve

| Alexandra Seitz |

Charakterbildung am Spielfeldrand, bestenfalls routiniert

Der alte Scout hat schon besser gesehen. Der unscharfe Fleck in der Mitte des Sehfeldes will sich auch mit Brille nicht mehr scharf stellen und der Hausarzt rät dringend zur Konsultation eines Spezialisten. Kommt gar nicht in die Tüte! Schließlich steht der Beginn der Baseball-Saison vor der Tür und es gilt, vielversprechende Talente in North Carolina zu besichtigen, zu beurteilen und Verpflichtungsempfehlungen abzugeben. Umso mehr muss der analoge Alte, dessen Vertrag bald ausläuft, Präsenz zeigen und den Wert langjähriger Erfahrung unter Beweis stellen, als bereits junge Männer mit Computern an seinem Stuhl sägen.

In Trouble with the Curve, dem Regiedebüt seines langjährigen Produktionspartners und Regieassistenten Robert Lorenz, spielt Clint Eastwood den Baseball-Talentsucher Gus Lobel. Es ist eine Rolle, die ihm auf den hageren Leib geschrieben ist: Die des knurrenden Sturkopfes, der seit dem frühen Tod seiner Frau recht gut alleine klargekommen ist, und der nun widerwillig einsehen muss, dass das Alter auch vor ihm nicht Halt macht und etwas Hilfe vonnöten wäre. Hilfe in Gestalt von Gus’ Tochter Mickey, einer erfolgreichen Anwältin, die sich kurz vor dem Karrieresprung entschließt, ihrem Vater beizustehen und ihn nach North Carolina zu begleiten. Nicht, dass der von dieser Idee sonderlich begeistert wäre. Doch der Apfel fällt nicht weit vom Stamm und Mickey ist nicht weniger eigensinnig als ihr Alter, zumal die Reise die Gelegenheit zu klärenden Aussprachen bietet. Und dann ist da noch Johnny Flanagan, den Lobel einst entdeckt hat, dessen Talent in der Major League allerdings verheizt wurde und der nun von einer Karriere als Kommentator träumt. Man trifft sich am Spielfeldrand und in der Kneipe und lange dauert es nicht, bis die Jungen einander wohlwollende Blicke zuwerfen.

Man ahnt, wie es weitergeht, und genauso geht es weiter. Würden nicht Eastwood, Adams und Timberlake in den Hauptrollen ihren Charakteren ein paar Ecken und Kanten verleihen sowie einige recht garstig gezeichnete Nebenfiguren sich zu Trotteln machen, Trouble with the Curve wäre arg langweilig. So aber wird der konsensfähige Themen-Dreiklang eines US-amerikanischen Mainstreamfilms – Baseball, Familie, Liebe –, den Randy Brown in seinem Drehbucherstling nach Schema F und mitunter etwas schwatzhaft erklingen lässt, von Lorenz nicht minder harmonieselig und überraschungsfrei in Szene gesetzt.