Arbitrage

| Pamela Jahn |

Hochpoliertes Thriller-Drama mit unterforderten Klasseschauspielern

Geld und graue Haare standen Richard Gere schon immer gut. Allerdings haben sich die Zeiten und Finanzmärkte dieser Welt seit Pretty Woman (1990) fatal geändert, und aus dem charmant gewieften Geschäftsmann Edward Lewis, der sich damals im Verführspiel mit Julia Roberts’ bezaubernder Prostituierten Vivian noch als Großstadtprinz entpuppte, wird in Nicholas Jareckis Arbitrage der korrupte Hedgefonds-Manager Robert Miller, der mit zunehmendem Alter und Reichtum  nichts Besseres zu tun hat, als sich selbst und alle, die ihm nahe stehen, kaputtzuspielen. Dabei hat Miller gleich doppelt Dreck am Stecken: Gerade 60 geworden muss er kurz vor dem Ruhestand noch rasch seine fast insolvente Firma verkaufen, bevor der Schwindel mit den geschönten Zahlen in den Büchern auffliegt. Aber auch privat wird ihm die Luft immer knapper, seit er sein gesellschaftlich etabliertes Leben mit engagierter Ehefrau (Susan Sarandon) und den mittlerweile erwachsenen Vorzeigekindern mittels einer Affäre mit einer jungen Galeristin aufzupeppen versucht. Als seine Geliebte bei einem Autounfall, bei dem Miller am Steuer sitzt, ums Leben kommt, ist die Misere perfekt, aus der sich der schwerreiche Financier kurzerhand auf Teufel komm raus mittels einschlägiger und verdeckter Beziehungen zu winden versucht.

Das klingt doch gar nicht so schlecht? Tatsächlich hätte
Arbitrage das Zeug zu einem hochkarätigen Thriller. Denn Gere spielt das, was er am besten kann: einen in seiner Selbstverliebtheit watenden, höchst attraktiven Schuft im Nadelstreifenanzug. Und eine ebenso überzeugend agierende Susan Sarandon hält trotzig und angriffslustig mit ihm mit. Doch wer bei dem Spielfilmdebüt Jareckis – der als Produzent der Doku Tyson verantwortlich zeichnete – auf einen smarten Kopfhaken à la Margin Call hofft, hofft vergebens. Dass der Film vor der Kritik trotz bester Voraussetzungen nicht so ganz bestehen kann, liegt vor allem an seiner Unglaubwürdigkeit und an Jareckis schwächelndem Drehbuch: So solide der Plot auch daherkommen mag, wirkt er über weite Strecken allzu formelhaft und fahrlässig. Ganz zu schweigen von den abgedroschenen Dialogen, mit denen die dramaturgischen Höhepunkte behelfsmäßig aneinandergereiht werden. Die Frage bleibt, wie Jarecki für seinen Film eine Starbesetzung wie diese (Tim Roth gibt sich obendrein als ermittelnder Cop) an Land ziehen konnte. Einschlägige Beziehungen und eine angemessene Vergütung scheinen auch dabei eine nicht unbedeutende Rolle gespielt zu haben.