Jason Statham als Titelheld in der Verfilmung einer populären Romanreihe
Als Donald Westlake unter dem Pseudonym Richard Stark Anfang der sechziger Jahre die Figur des skrupellosen Profidiebs Parker erfand, war die Idee noch relativ unverbraucht, dass ein Krimineller der Held einer später 24 Bücher umfassenden Reihe sein konnte. Mittlerweile ist der Topos des „ehrenhaften“ Gangsters, der in seiner Welt moralisch richtig handelt und durch seine Coups aufzeigt, dass die Businesswelt nach den gleichen Gesetzen der Korruption und Gier funktioniert, schon beinahe zum Klischee geworden. Regieveteran Taylor Hackford (An Officer and a Gentleman, Ray) versucht den Geist der grandiosen Parker-Verfilmungen Point Blank oder The Outfit wiederzubeleben, scheitert aber am fehlenden Stilwillen und an den veränderten Sehgewohnheiten des Publikums.
Inhaltlich ist der Film eine Mischung aus klassischem Caper Movie und modernem Action-Thriller: Parker wird bei einem Überfall auf den größten amerikanischen Jahrmarkt von seinen Komplizen angeschossen und überlebt schwer verletzt. Den Rest des Films verbringt er damit, die Verräter und ihre Hintermänner zu jagen, die gerade einen spektakulären Juwelenraub in Palm Beach planen. Dabei nimmt er widerwillig die Hilfe einer desillusionierten Immobilienmaklerin in Geld-nöten in Anspruch, die er vor einem Profikiller beschützen muss, den ihm der Auftraggeber des Überfalls, ein zwielichtiger Geschäftsmann, auf den Hals gehetzt hat. Jason Statham spielte schon in The Mechanic eine ähnliche Rolle und eignet sich mit seiner explosiven Mischung aus Verletzlichkeit und Härte bestens dafür, einen professionellen Dieb, der für seinen Ehrenkodex auch über Leichen geht, zu verkörpern. Über weite Strecken funktioniert auch das Timing mit Jennifer Lopez gut, zumindest solange sie keine stärkeren Emotionen zeigen muss. Als Parker wie öfters im Laufe der Handlung stark blutend – diesmal auf Grund eines Messerstichs durch die Hand – von ihr gefunden wird, passt ihr hysterisches Gekreische absolut nicht zum eher unterkühlten Ton des Films.
Das Grundproblem des Plots ist jedoch seine Vorhersehbarkeit: Es gibt kaum überraschende Wendungen, seine Antagonisten bleiben blass, und die Spannung, ob Parker sich von den Reizen von Miss Lopez verführen lässt oder doch bei seiner loyalen Freundin bleibt, hält sich in Grenzen. Die Inszenierung orientiert sich am damals noch neuen Realismus der frühen siebziger Jahre, ohne die Dichte der Vorbilder zu erreichen. Langweilen wird man sich bei diesem routinierten Werk eines Handwerkers zwar nicht, aber eine Erneuerung des Genres darf man sich keinesfalls erwarten.
