Zauberhaft erzählte Geschichte über eine ungewöhnliche Freundschaft
Unkonventionelle Freundschaften sind ein gängiges und viel gebrauchtes Filmsujet. Jene zwischen jungen und alten Menschen finden jedoch den Weg auf die Leinwand verhältnismäßig selten, dabei könnte man gerade über sie besonders schöne und originelle Geschichten erzählen. Hal Ashby hat es 1971 mit dem Klassiker Harold and Maude getan, Sean Baker schließt mit Starlet daran an. Angesiedelt in San Fernando Valley, der Hochburg der US-amerikanischen Pornoindustrie nordwestlich von Los Angeles, ist Starlet nicht primär – wie man vorschnell vermuten könnte – ein Film über das Sexfilmgeschäft, sondern vor allem über menschliche Beziehungen.
Im Zentrum steht Jane (Dree Hemingway, Topmodel und Urenkelin von Ernest Hemingway), eine junge Frau, die gerade als Pornosternchen Fuß in der Branche fasst. Sie bewohnt als Untermieterin ein Zimmer im Haus ihrer Kollegin Melissa (Stella Maeve) und deren Freund Mikey (James Ransone), vertreibt sich die Freizeit mit Video-Spielen, Kiffen und Spaziergängen mit ihrem Chihuahua Starlet. Auf einem Flohmarkt kauft sie einer alten Dame namens Sadie (Besedka Johnson) eine Thermos-
kanne ab, in der sie zehntausend Dollar findet. Zunächst gibt sie einen kleinen Teil des Geldes aus, entschließt sich dann jedoch dazu, die alte Dame nochmals aufzusuchen. Diese ist allerdings ein harter Knochen und verweigert zunächst jede Kontaktaufnahme. Jane gibt nicht auf und will zumindest mehr über diese Frau herausfinden. So entwickelt sich langsam eine ungewöhnliche Freundschaft zwischen den beiden einsamen Seelen, die das Alter trennt, aber ihre Empfindsamkeit verbindet.
Sean Bakers Inszenierung gibt seinen Figuren viel Raum, sich zu entfalten und ermöglicht einen Einblick in ihr Innerstes. Der Zuschauer hat so beispielsweise recht lange Zeit, Jane wertfrei und ohne vorgefasste Bilder kennen zu lernen, bevor ihre Profession wirklich klar wird. Janes Beruf wird als eine Komponente ihres Lebens behandelt, aber nicht als jene, nach der man sie beurteilen oder einstufen sollte. Der Fokus richtet sich auf die Freundschaft der beiden Frauen, die genauso ungewöhnlich ist wie Janes Job in der Hardcore-Industrie – und gleichzeitig doch irgendwo ganz normal.
Die beiden Hauptdarstellerinnen, die durch ihre authentischen Darbietungen überzeugen, gestalten ihre gemeinsamen Szenen kraftvoll, intensiv und berührend. Besedka Johnson gibt dabei im Alter von 86 Jahren ihr Schauspieldebüt und verleiht dem Film mit ihrer natürlichen Darbietung eine Extraportion Charme und zwar so beeindruckend, dass man glauben könnte, sie habe eine lange Karriere hinter sich.
