The Company You Keep

Filmkritik

The Company You Keep – Die Akte Grant / The Company You Keep

| Pamela Jahn |

Melancholisches Politdrama mit so vielen Schwächen wie Hollywoodstars in der Besetzung

Nicht nur der deutsche Film, auch Hollywood tut sich immer noch eher schwer im Umgang mit dem linksradikalen Erbe der sechziger und siebziger Jahre.

Dabei gibt es hier wie dort sehenswerte Ausnahmen, wie etwa Sidney Lumets Running on Empty (1988), dessen eindringliche Geschichte über zwei ehemalige Weathermen-Aktivisten, die als Paar samt Familie ein Leben im Untergrund führen, Christian Petzold in seinem Film Die Innere Sicherheit (2000) in ähnlicher – und ähnlich überzeugender – Weise auf die deutschen Verhältnisse zu übertragen verstand.

Robert Redfords The Company You Keep, entstanden nach dem gleichnamigen Buch von Neil Gordon, greift dieses Motiv nun erneut auf: Jim Grant (Redford), in den Siebzigern als Mitglied des Weather Underground aktiv, soll damals an einem Banküberfall beteiligt gewesen sein, bei dem ein Sicherheitsbeamter erschossen wurde. Das Verbrechen bleibt jedoch ungeklärt, denn Grant und seinen politischen Gefährten gelang es kurz darauf, mit geheimen Identitäten ins normale Leben abzutauchen. Womit keiner mehr gerechnet hat: Dreißig Jahre später wird die Ex-Aktivistin Sharon Solarz (Susan Sarandon) verhaftet und plaudert, woraufhin nicht nur Grants bürgerliche Existenz als angesehener Anwalt und Familienvater ins Wanken gerät, sondern er sich bald darauf erneut auf der Flucht vor dem FBI wiederfindet. Zum Thriller wird das ganze Drama, als sich der übereifrige Jungreporter Ben Shepard (Shia LaBoeuf) mit seinen hartnäckigen Recherchen ins Geschehen einmischt, während Grant, der eigentlich Nicholas Sloan heißt, verzweifelt versucht, seine Ex-Geliebte Mimi Lurie (Julie Christie) ausfindig zu machen, um seine Unschuld zu beweisen.

Redford hat einiges richtig gemacht mit seinem Film, der mitunter fesselnde Momente aufweist und vor allem als ein Stelldichein der Hollywoodstars dieser und vergangener Zeiten (darunter Nick Nolte, Anna Kendrick, Stanley Tucci und Richard Jenkins) respektablen Unterhaltungswert besitzt. Allerdings leidet auch sein Versuch filmischer Vergangenheitsbewältigung unter den üblichen Symptomen: Ein allzu großer Hauch von Melancholie und Nostalgie verklärt das Spannungspotenzial, und wenn das Drehbuch lahmt und die Figuren allzu oberflächlich bleiben, hilft auch kein noch so feines Ensemble von Charakterdarstellern, um den Karren wieder aus dem Dreck zu ziehen. Als engagiertes Politdrama über den vergangenen Terror und wie es sich heute damit lebt, wirkt The Company You Keep bestenfalls wie ein behäbiger Wink mit dem Zaunpfahl.