Confession of a Child of the Century

Filmkritik

Confession / Confession of a Child of the Century

| Alexandra Seitz |

Weder vielversprechendes Schauspieldebüt noch gelungene Literaturverfilmung – vergebliches Kunstwollen

Für schauspielerisches Unvermögen gibt es im Englischen den schönen Ausdruck „he couldn’t act his way out of a paper bag“, und wer wissen will, wie diese Metapher in der Praxis aussieht, der braucht sich bloß Rockmusiker Pete Doherty (The Libertines, Babyshambles) in Confession of a Child of the Century anzusehen. Wahlweise steht er da und brütet (vermutlich darüber, wie er aus dem vermaledeiten Papiersackerl, in das ihn die Eitelkeit manövriert hat, wieder rauskommt) – oder er marschiert entschlossen durch die unspektakuläre Landschaft. Beides nervt. Das Brüten, weil Dohertys teigiges Pfannkuchengesicht lediglich den Ausdruck des arroganten, pseudo-bedeutungsschwangeren Sinnierens kennt. Das Marschieren, weil Körperhaltung und Bewegung die eines rotzigen Rock’n’Rollers sind und sich mit dem historischen Setting so wenig vertragen wie Weißwurst mit Ketchup.

Sylvie Verheydes schmutzig-nervöser Kostümfilm basiert auf Alfred de Mussets 1836 erschienenem autobiografischem Roman „La confession d’un enfant du siècle“, einem Monument des Weltschmerzes.

Darin erzählt Musset zum einen von seiner stürmischen Liebesaffäre mit der Schriftstellerin George Sand und entwirft zum anderen das Porträt einer von düster-romantischer Melancholie angekränkelten Zeit. In Verheydes Adaption gibt nun Doherty den jungen Octave, den die Untreue seiner Geliebten und die Einflüsterungen des Zynikers Desgenais in ein Leben dekadenter Ausschweifung stürzen. Schließlich aber erfährt er erneut eine tiefe Liebe – er umwirbt und erobert die ältere Witwe Brigitte –, nur um diese neuerlich zu zerstören. Traurig das alles. Tragisch geradezu.

Und vor allem ungeheuer langweilig und prätentiös in Szene gesetzt. Verheyde hat alles auf die Karte von Dohertys Image gesetzt, auf den tragischen Nimbus des Süchtigen, auf das Ungebändigte des schlimmen Buben, und darüber sowohl Drehbuch wie Dramaturgie vernachlässigt. Angesichts der Schwächen ihres Hauptdarstellers treten diese Versäumnisse nun umso deutlicher zutage. Die Kamera wackelt wie der Schwanz eines Hundewelpens und sammelt Impressionen, die sich zu Stimmungen fügen sollen, aber keinen Sinn ergeben. Das schwer verquaste Voice over behauptet Gefühlsturbulenzen, die nicht sichtbar werden, geschweige denn nachvollziehbar wären. Mittendrin spielt Charlotte Gainsbourg auf verlorenem Posten und August Diehl ruht sich auf seinen Mephistopheles-Lorbeeren aus. One-note-Doherty kann einem leid tun, im Grunde hat er keine Chance.