Ambivalente Tragikomödie über die Notwendigkeit der Verstellung im heutigen Kuba
Übersetzt lautet der Originaltitel „Anas Film“ und schon dieser Doppeldeutigkeit gibt die Richtung dieser ersten kubanisch-österreichischen Koproduktion vor. Ana ist eine recht erfolgreiche Schauspielerin in Telenovelas, die jedoch lieber in seriösen Rollen glänzen würde. Doch in diesem Metier kann man sich in Kuba nicht einmal einen Kühlschrank leisten, den sich ihre Familie, mit der sie in einer engen Altbauwohnung zusammen lebt, so sehr wünscht.
Als sie hört, dass ein österreichisches Filmteam eine Dokumentation über Prostitution auf der ganzen Welt auch in Havanna drehen will (Michael Glawoggers Whores’ Glory lässt grüßen) und für intime Beichten gut bezahlt, nutzt sie die Chance und bereitet sich auf ihre Rolle als sinnliche Vorzeigehure vor. Doch als der Regisseur sie darum bittet, ihre Lebenswelt selber mit einer Digitalkamera zu dokumentieren, muss Ana ihr Lügengebäude auf ihre gesamte Umwelt ausdehnen. So beginnt sie anfangs mit Hilfe ihres Freundes, eines frustrierten Dokumentaristen, ihren eigenen Film zu inszenieren und findet immer mehr Gefallen an dieser kreativen Herausforderung. Doch für die talentierte Ana ist es gar nicht so einfach, ihren Aufnahmen den erwarteten Amateurcharakter zu verleihen, und die Geldgeber beginnen, ernsthaft an ihrer Glaubwürdigkeit zu zweifeln. Dass sich der Regisseur in sie verliebt, erschwert das Versteckspiel zusätzlich.
Alles an diesem Film-im-Film-Spiel hat einen doppelten Boden: angefangen vom Ton, der gekonnt zwischen satirisch und kritisch, leichtfüßig und schwermütig pendelt, über das Infragestellen von Authentizität, das sich durch die gesamte Handlung zieht, bis hin zur ambivalent verpackten Botschaft, dass Liebe und vor allem Solidarität wichtiger sind als Ruhm oder Geld. Regisseur Diaz Torres spart nicht mit Seitenhieben auf die kubanische Mangelgesellschaft, zeigt aber zugleich anhand des manchmal etwas klischeehaft gezeichneten Filmteams, dass die westliche Welt dafür an einem eklatanten Mangel an Lebensfreude und Spontaneität leidet.
Michael Ostrowski darf seine sensiblen Seiten schauspielerisch ausleben, während die Hauptdarstellerin Laura de la Uz durch ihre beeindruckende Präsenz auch in jedem Hollywoodfilm eine gute Figur machen würde. Die sowieso nur angedeutete Love Story dieser beiden schwächt allerdings eher die spannendere Charakterentwicklung von Ana in dieser großteils kurzweiligen, präzisen Beschreibung der guten und der schlechten Seiten der kubanischen Gesellschaft.
