Rush – Privat bin ich kein Rennfahrer – Daniel Brühl im Gespräch

Privat bin ich kein Rennfahrer

| Dieter Oßwald |

Daniel Brühl über die Schwierigkeit, eine lebende Legende wie Niki Lauda zu spielen, die Zusammenarbeit mit Regisseur Ron Howard und über seine Regieambitionen.

Was hat Sie daran gereizt, Niki Lauda darzustellen?
Das ist eine Traumrolle, die alles bietet, was man sich nur wünschen kann. Da ist das Drama des schrecklichen Unfalls. Das heroische Comeback nach wenigen Wochen. Und natürlich die Feindschaft der beiden ungleichen Rennfahrer Lauda und Hunt, die sich später fast zu einer Freundschaft entwickelt. Typen wie diese gibt es in der heutigen, steril perfekten Sportwelt gar nicht mehr. Das waren moderne Gladiatoren, die bei jedem Rennen ihr Leben aufs Spiel gesetzt haben.

Wie leicht spielt man eine lebende Legende?
Es ist natürlich schon merkwürdig, eine berühmte Person zu spielen, die noch lebt. Am Anfang war ich ziemlich nervös, weil diese Rolle eigentlich gar nichts mit mir zu tun hat. Das exzellent geschriebene Drehbuch hat mir sehr geholfen. Die Dialoge von Peter Morgan sind ein echter Genuss. Wobei die intimen Szenen mit Alexandra Maria Lara bei dieser englischen Produktion ja sogar auf Deutsch sind, besser gesagt: auf Österreichisch. Um den Dialekt von Niki zu treffen, hatte ich eigens einen Sprachtrainer.

Was sagt denn das Original zu Ihrer Darstellung?
Nach zwei Wochen Drehzeit bekam ich frühmorgens einen Anruf von Lauda. Er sagte nur: „Hey, hier ist Niki, also: gut, gut, gut“ – das war natürlich eine große Erleichterung für mich. Denn mir war sehr wichtig, dass ihm meine Darstellung gefällt.

Abgesehen vom morgendlichen Anruf, wie sah die Zusammenarbeit mit Lauda aus?
Glücklicherweise fand ich schnell einen guten Draht zu Niki. Er war die beste Quelle, die man sich wünschen kann. Wir konnten über absolut alles sprechen, für ihn war kein Thema tabu. Diese unglaubliche Offenheit hat mich überrascht, erst recht bei jemandem, der in seinem Leben schon so viel durchgemacht hat. Ich persönlich hätte das alles nicht so einfach wegstecken können wie er.

Mit welchen Gefühlen sieht man sich mit einem verbrannten Gesicht im Spiegel?
Das war ein irres Erlebnis. Gerade als wir mit den Proben begannen, wurde unser Maskenbildner Mark Coulier für The Iron Lady für den Oscar nominiert. Da wusste ich, dass ich in guten Händen war. Die Kamera kommt wirklich ganz nah heran und alles wirkt echt – das ist sehr beängstigend.

Durften Sie selbst im Rennwagen die Kurven drehen?
Wir durften sogar mehr machen, als wir dachten. Es gab eine Helmkamera, bei der man die Augen ganz groß sieht, und im Hintergrund flitzt die Landschaft vorbei. Zur Vorbereitung habe ich vorab einen Formel-3-Kurs gemacht. Wenn man sich in so eine Kiste setzt, versteht man sofort die Sucht und den Adrenalinkick, den diese Fahrer haben.

Sind Sie privat auch schnell unterwegs?
Privat bin ich überhaupt kein Rennfahrer. Ich fahre gelegentlich etwas schnell, aber nur wenn die Straße völlig leer ist. Ich bin ein ziemlich vorausschauender Fahrer, wenngleich sich meine Freundin bisweilen über meinen ruppigen Fahrstil beschwert.

Ihre Fahrkünste mussten freilich auch schon bei einem
Idiotentest unter Beweis gestellt werden …

Stimmt, dieses Erlebnis verdanke ich einer nicht ganz so freundlichen älteren Dame, die mich wegen einer kleinen Delle vor vielen Jahren angezeigt hatte. Aber ich habe noch nie einen ernsthaften Unfall gebaut und werde auch so gut wie nie geblitzt. Strafzettel bekomme ich nur wegen Falschparken.

Wie unterscheidet sich der Dreh mit einem Hollywood-Haudegen wie Ron Howard zu deutschen Produktionen?
Diese Produktion gehörte für mich schon zu einer der angenehmsten Erfahrungen meiner Karriere. Howard stand ja schon als Vierjähriger vor der Kamera, und diese enorme Erfahrung spürt man einfach. Dieser Typ ist in allen Genres heimisch, und wenn man sieht, mit welchen Schauspielern er schon gearbeitet hat, dann reiht man sich mit einigem Stolz in diese Reihe von Tom Hanks, Russell Crowe oder Tom Cruise ein.

Ihr Schauspielkollege Matthias Schweighöfer ist erfolgreich auf den Regiestuhl gewechselt – wäre das keine Option für Sie?
Lust dazu hätte ich durchaus, aber bevor ich mir da nicht absolut sicher bin mit einem starken Stoff, möchte ich das lieber nicht riskieren. Schwache Filme gibt es schließlich bereits mehr als genug.

Vorigen Herbst bekamen Sie eine äußerst rare Auszeichnung: Beim Festival von Pjöngjang erhielten Sie den Darsteller-Preis für Der ganz große Traum. Was sagen Sie zu dieser Ehrung in Nordkorea?
Ich war selbst gar nicht dort, die Filme wurden vom Goethe-Institut präsentiert. Als ich die Nachricht bekam, hat es mich richtig umgehauen. Wenn es mit dem Oscar nie etwas werden sollte, so weiß ich ab jetzt, was ich meinen Kollegen aus Hollywood voraus habe. (Lacht.)