Umwerfendes Porträt einer Endzwanzigerin, die nach ihrem Platz im Leben sucht
Wie das weibliche und amerikanische Pendant zu Jan-Ole Gersters Oh Boy wirkt Noah Baumbachs Frances Ha. Hier wie dort bestimmen brillante Schwarzweißbilder den Look des Films. Statt Berlin ist aber New York der Schauplatz, statt eines antriebslosen Studenten ist eine quirlige, aber wenig erfolgreiche 27-jährige Tänzerin (Greta Gerwig) die Protagonistin und die Handlung spielt nicht an einem Tag, sondern erstreckt sich über Monate.Mit ihrer Freundin Sophie (Mickey Summer) lebt diese Frances zunächst in einer kleinen Wohnung in Brooklyn, muss aber eine neue Bleibe suchen, als Sophie plötzlich auszieht. Diese findet sie zunächst in einer WG mit zwei Männern, besucht bald auch ihre Eltern in Kalifornien und unternimmt kurz entschlossen und trotz finanzieller Probleme auch mal einen Wochenendtrip nach Paris. Auf und ab geht es in ihrem Leben, aber unterkriegen lässt sich diese Frau nicht. Entsprechend einer Textzeile aus David Bowies „Modern Love” lässt Noah Baumbach sie stets aufs Neue versuchen, ihre Träume zu verwirklichen, und erklärt ihr und dem Zuschauer mit Hot Chocolate „Everyone’s a winner, baby”.
Wunderbar ist diese Komödie Baumbachs (der neben seinen Regiearbeiten The Squid and the Whale und Greenberg auch an den Drehbüchern von Wes Andersons Fantastic Mr. Fox und The Life Aquatic with Steve Zissou mitgearbeitet hat) in ihrer befreiten Erzählweise. Hier werden nicht Szenen dramatisch zugespitzt und breit ausgewalzt, sondern kurz angerissen und locker aneinandergereiht. Spielerisch wird der Film in Episoden gegliedert durch Inserts von Adressen, die die Wohnungswechsel von Frances markieren. Dies gibt Frances Ha einen lockeren Rhythmus, der bestechend den Lebensrhythmus und das Lebensgefühl der Protagonistin vermittelt, macht ihn durch die Fülle der ebenso knappen wie pointierten Szenen aber auch überreich an Eindrücken. In der Frische und der Schwarzweißfotografie erinnert Baumbachs Film sowohl an die frühen New-York-Filme Woody Allens als auch an die frühen Arbeiten von Jim Jarmusch, kommt aber ungleich leichter und verspielter daher, und erweist – nicht zuletzt durch die Verwendung von Musik von Georges Delerue – auch der französischen Nouvelle Vague, speziell den Filmen François Truffauts, seine Reverenz. Getragen wird Frances Ha aber vor allem von einer umwerfenden Greta Gerwig, die mit ihrem Lebenspartner Baumbach auch das Drehbuch schrieb. In jeder Szene ist sie präsent und hält mit ihrer Energie und der durch nichts zu erschütternden Lebensfreude diesen in seinem Optimismus beglückenden Film am Laufen.
