Gemma Arterton, Justin Timberlake
Runner Runner

Runner Runner

Runner Runner

| Ralph Umard |

Ein Pokerspieler riskiert bei kriminellen Machenschaften im Internet Glücksspielgeschäft sein Leben.

Reich oder superreich – das ist hier die Frage, die sich dem Ökonomiestudenten Ritchie Furst (Justin Timberlake) stellt, als er vom zwielichtigen Internet-Casino-Betreiber Ivan Block (Ben Affleck) das Angebot bekommt, entweder weiter seine geplante Karriere als Börsenmakler anzustreben oder sogleich als Führungskraft in Blocks lukratives Glücksspielgeschäft einzusteigen. Natürlich siegt die Gier über die Vernunft, und der junge Mann wählt das schnelle Geld und ein Leben im Luxus in Costa Rica, dem Unternehmenssitz von Blocks Internet-Poker-Imperium. Es ist dies eine Entscheidung, die Ritchie Furst bald bereut, als er den wahren, kriminell-egomanen Charakter seines wortgewandt und charmant auftretenden Chefs kennen lernt. Als er auch noch von einem rabiaten FBI-Agenten sowie lokalen Grenzbeamten und Gangstern brutal in die Mangel genommen wird, muss sich Furst mit der Frage „Sein oder Nichtsein“ auseinandersetzen.

Die meisten Internet-Nutzer werden Werbebotschaften von Glücksspiel-Organisatoren kennen, die zum virtuellen Pokern animieren sollen; für viele Menschen ist das Zocken per Mausklick, wie im Falle von Furst, zu einer Sucht geworden. Während die traditionsreiche Spielerhochburg Las Vegas jährlich Einnahmen von etwa sechs Milliarden Dollar verzeichnet, sollen die Poker-Profite der in Malta, Dubai, Zentralamerika oder in der Karibik ansässigen Internet-Casinos 30 Milliarden betragen, genau ist das in den Offshore-Steueroasen nicht nachzuprüfen.

In Runner Runner (der Ausdruck aus Pokervariante Texas Hold’em bezeichnet zwei nacheinander aufgedeckte, gewinnbringende Karten) geht es um illegale Praktiken im Internet-Gambling, mittels komplexer Algorithmen werden Poker-Spiele mathematisch manipuliert. Tendenziell drückt der Film Kritik am heutigen globalen Kapitalismus aus, denn die gezeigten, von unbarmherzigem Konkurrenzkampf und Geldgier geprägten Geschäftspraktiken existieren auch bei börsennotierten Konzernen und im Bankwesen, etwa in Form von Kurs- und Zinsmanipulationen. So mancher Investmentbanker soll ja durchaus Charakterzüge und Verhaltensweisen aufweisen, die jenem von Ben Affleck dargestellten Charakter – eine Variation von Gordon Gekko aus Wallstreet im Glückspielbusiness – nicht unähnlich sind. Affleck besticht als mephistophelischer Manipulator in diesem packenden moral- und zeitkritischen Drama über Korruption, Geldgier und Hochmut, der vor dem Fall kommt.