Eine ungewöhnliche Freundschaft trotzt allen Hindernissen.
Die Bewohner eines kleinen, abgelegenen Bergdorfes in den französischen Alpen sind eigentlich nicht leicht zu erschüttern, verlangt das Leben mit der Natur in einer solchen Region ohnehin ein gewisses Maß an physischer und psychischer Robustheit. Zudem schreiben wir das Jahr 1943, und da bringt die Besetzung Frankreichs durch die Truppen Hitler-Deutschlands eine latente Bedrohung von noch weit größerem Ausmaß mit sich. Wenn also hartgesottenen Männer aus dieser Gegend sich mit einer Mischung aus Furcht und blankem Hass auf die Jagd nach einer potenzielle Gefahrenquelle begeben, dann muss da schon etwas sein. Dieses Etwas wird nur „die Bestie“ genannt und ist ein Untier, das nicht nur Schafe reißt, sondern auch schon einmal Menschen attackiert. Nur Sebastian, ein kleiner, elternloser Bub, der bei seiner Schwester aufwächst, lässt sich nicht von der angsterfüllten Atmosphäre anstecken und unternimmt weiter seine Streifzüge durch die wildromantische Berglandschaft. Dabei begegnet er auch der vermeintlichen Bestie, die jedoch in Wahrheit eine von ihrem Besitzer verstoßene Pyrenäenberghündin ist, die sich einfach nur allein durchs Leben in der Wildnis schlagen musste. Weil Sebastian ihr freundlich und unbefangen begegnet, zeigt sich die Hündin auch von ihrer besten – und sanften – Seite, dem Beginn einer wunderbaren Freundschaft steht nichts mehr im Weg. Von da an lässt Sebastian nichts unversucht, Belle – so nennt er seine neue Freundin – vor dem Zorn der Dorfbewohner zu schützen. Und ob das nicht schon schwer genug wäre, bricht auch die brutale Realität der Besatzung über das kleine Dorf herein.
Belle et Sébastien basiert auf einer von Cécile Aubry verfassten Kinderbuchreihe, die sich seit den sechziger Jahren – auch als Fernsehserie adaptiert – vor allem in Frankreich großer Popularität erfreute. Unschwer erkennt man in der Geschichte eine moderne Variante des klassischen Märchens „La Belle et la Bête“. Wie bei jedem guten Märchen findet man auch bei Belle et Sébastien eine griffige Dramaturgie mit klar verteilten Rollen und Charakteren, die durchaus Stereotypisches bis hin zum Holzschnitt aufweisen dürfen.
Nicholas Vaniers Inszenierung erzählt die Geschichte schnörkellos und berührend ohne dabei in Kitschigkeit abzudriften, der märchenhaften Charme bleibt trotz des gelungen Transfers in die Moderne gewahrt. Handfeste Symbolik – im Fall von Belle reicht etwa ein ausgiebiges Bad um die Hündin auch äußerlich in ein knuffiges, ihren inneren Werten entsprechendes, Wesen zu verwandeln – verhilft Belle et Sébastien zu jener leicht nachvollziehbaren Allgemeingültigkeit, die es für einen richtigen Familienfilm – im besten Sinn des Wortes – einfach braucht.
