Filmkritik

Das finstere Tal

| Andreas Ungerböck |
Leichen pflastern seinen Weg – im Schnee, wie es sich gehört.

Ein ambitionierter, motivierter Regisseur, der seine Fähigkeiten schon mehrfach unter Beweis gestellt hat, eine packende Romanvorlage und zwei charismatische Hauptdarsteller. Fertig ist ein Austro-Western, der sich wahrhaft sehen lassen kann. Und natürlich darf man die unwirtliche Landschaft in dem  finsteren Tal  in den Alpen nicht vergessen, die ein wesentlicher Faktor in dieser Geschichte ist. Sergio Corbuccis grandioses Rachedrama Il Grande Silenzio (Leichen pflastern seinen Weg) lässt grüßen. Zwar ist Greider (Sam Riley) nicht stumm, aber doch reichlich wortkarg, und wenn er schon einmal spricht, dann ist nachher meistens jemand tot. Und Grund zur Rache hat er, weiß Gott.
Andreas Prochaska und Martin Ambrosch haben bei der Arbeit am Drehbuch einige kluge, pragmatische Entscheidungen getroffen, indem sie z.B. einen ganzen Erzählstrang, der im Roman in Amerika spielt, weggelassen haben. Die Autoren haben sich für einen kräftigen Pinselstrich entschieden: Die (wenigen) Guten sind richtig gut, die Bösen richtig böse, ganz wie man das aus guten Western kennt. Auch Anklänge an den Heimatfilm gibt es – kein Wunder, spielt doch der in dieser Gattung stets latent vorhandene Konflikt zwischen den/dem Einheimischen und den/dem Fremden eine zentrale Rolle. Der wesentliche Unterschied liegt darin, dass die Heimat, also das Tal, hier so gar nichts Liebliches hat. Es wird regiert vom schrecklichen alten Brenner, dem Pendant zum skrupellosen Großrancher des US-Western, und seinen Söhnen. Deren Anführer wird von Tobias Moretti gespielt, der einen ganz famosen Bösewicht abgibt. Und Sam Riley mit seinem Real-Life-Gebrochenen-Deutsch (er lebt ja seit einigen Jahren in Berlin) macht sich prächtig als Fremder ohne Namen. Ein Blick in sein entschlossenes Antlitz verheißt Unheil, genauso, wie er seinen Gastgeberinnen, Mutter Gader und ihre Tochter Luzi, gegenüber der perfekte Gentleman ist. Das dunkle Geheimnis, das er mit sich herumträgt, entlädt sich langsam, aber heftig über dem nichts ahnenden Dorf.
Ohne Übertreibung: Hier ist alles richtig gemacht worden, und es ist schön zu sehen, dass es einen österreichisch-(deutsch)en Film geben kann, der die Regeln des Genrekinos respektiert und daraus verdientermaßen maximale Resultate zieht. Man möchte wirklich mehr davon sehen.

Mehr zu „Das finstere Tal“, u.a Interviews mit Andreas Prochaska und Sam Riley, lesen Sie in der März-Ausgabe von ray.