Österreich

Bildersammlung

| Oliver Stangl |
Eine Vorschau auf das Programm der Diagonale

Wie vielschichtig und lebendig das österreichische Filmschaffen ist, zeigt sich unter anderem daran, dass pro Jahr mittlerweile mehr als 500 Filme bei der Diagonale eingereicht werden. Das Festival, dem noch bis 2015 Barbara Pichler vorsteht, ist dabei ebenso Leistungsschau des heimischen Filmschaffens wie Branchentreff, letzteres verstärkt mit internationalen Gästen.

Eine direkte Auseinandersetzung mit der Kunst und ihrer Repräsentation verspricht Johannes Holzhausens Das große Museum zu werden, der seine Uraufführung im Berlinale-Forum feierte und dort mit dem Caligari-Filmpreis ausgezeichnet wurde. Der Dokumentarfilm des 1960 in Salzburg geborenen, in Wien lebenden Regisseurs und Autors porträtiert das Kunsthistorische Museum im Direct-Cinema-Stil, blickt hinter die Kulissen und ist, geht es nach ersten Stimmen aus Berlin, formal und visuell überzeugend (Kamera: Joerg Burger, Attila Boa), humorvoll und informativ. Prodesse et delectare, könnte man da sagen.

Die Reihe „Zu Gast“ holt diesmal die renommierte französische Kamerafrau Agnès Godard nach Graz. Godard, die mit Filmemacherinnen und Filmemachern wie Agnès Varda, André Téchiné und insbesondere Claire Denis zusammengearbeitet hat, lädt die Diagonale-Besucher zu einem Werkstattgespräch und gibt über die Besonderheiten ihres unmittelbaren Kamerastils Auskunft. An Filmen stehen unter anderem Beau Travail (1999) von Claire Denis und Home (2008) von Ursula Meier auf dem Programm.

Eine Personale anlässlich seines 60. Geburtstags ist dem vielseitigen Film- und Medienkünstler Manfred Neuwirth gewidmet. Neuwirth, der sich als „Bildersammler“ sieht und viele seiner Reisen, etwa nach Tibet, mitfilmte, widmete sich immer wieder gesellschaftspolitischen und sozialen Themen, darunter den Auswirkungen der Krankheit AIDS (zum Film Vom Leben Lieben Sterben – Erfahrungen mit AIDS aus dem Jahr 1993 veröffentlichte Neuwirth im letzten Jahr eine Fortsetzung). In Graz wird es ein Werkstattgespräch mit Neuwirth geben, das von Brigitte Mayr und Michael Omasta geführt wird, außerdem wird die Synema-Publikation „Manfred Neuwirth – Bilder der flüchtigen Welt“ präsentiert.
In Zusammenarbeit mit dem Österreichischen Filmmuseum wird außerdem das Spezialprogramm „Ein anderes Land. Fünf österreichische Filmgeschichten“ präsentiert. Das Filmmuseum feiert 2014 sein fünfzigjähriges Bestehen, in einem fünfteiligen Programm stellt man die Fragen: Österreich? Film? Museum? Die Frage, was das Medium Film ausmacht, wird dabei mit Fragen nach der Idee der österreichischen Nation verknüpft; Nationalgeschichte trifft auf Filmgeschichte.

Die Zahl 50 spielt diesmal auch in dem traditionell von Synema zusammengestellten historischen Spezialprogramm eine Rolle, das an Filmschaffende mit österreichischen Wurzeln erinnert, die von den Nazis vertrieben wurden: Vor einem halben Jahrhundert verstarb der großartige Peter Lorre, der sich durch Rollen wie jene des psychopathischen Kindermörders in Fritz Langs M – Eine Stadt sucht einen Mörder (1931) einen fixen Platz in der Filmgeschichte sicherte. Neben Werken wie der wunderbar makaberen Komödie Arsenic and Old Lace (1941/44) von Frank Capra steht auch Lorres späte Regiearbeit Der Verlorene (1951) auf dem Programm. Mit diesem Film kehrte Lorre kurzfristig nach Deutschland zurück, doch die düstere Auseinandersetzung mit jenen Spuren, die der Nationalsozialismus in der deutschen Nachkriegsgesellschaft hinterließ, stieß beim zeitgenössischen Publikum auf Ablehnung (siehe auch die voranstehende Geschichte).

Der wunderbare Festivaltrailer, in dem Tiere im Mittelpunkt stehen, stammt diesmal von der Videokünstlerin Michaela Grill. Diese spannende Arbeit sollte auch Lust auf Grills Installation „Mein rastloses Herz“ machen, die man bis 21. April im Kunsthaus Graz besichtigen kann.

Die Verleihung der Diagonale-Preise, u.a. an Georg Friedrich, findet am 22. März im Orpheum Graz statt.
Diagonale 2014, 18. – 23. März