Für Pferdemenschen und Liebhaber gediegener Biopics
Das Pferd ist klein und unberechenbar, sein Reiter ist ein schlimmer Dickkopf. Gemeinsam gehen sie durch Wände. Die Rede ist von Jappeloup und Pierre Durand, die in den achtziger Jahren zu Ikonen des internationalen Springreitsports aufstiegen und bei den Olympischen Spielen in Seoul 1988 schließlich ihren größten Triumph feierten.
Gewissenhaft und dienstfertig – und das heißt hier detailfreudig sowie mitunter etwas langatmig – inszeniert Christian Duguay nach dem Drehbuch seines Hauptdarstellers Guillaume Canet eine Geschichte aus der Welt des Sports, die, wie es sich gehört, über einen mit Hindernissen gespickten Parcours auf einen allgemein beseligenden Erfolg hin führt. Denn zu Beginn sieht es gar nicht danach aus, als würde aus Ross und Reiter jemals ein Team, geschweige denn ein effektives. Etwas verächtlich schaut Durand auf das bockige Pferd mit dem unleugbar großen Springtalent, Jappeloup wiederum lässt nicht so einfach mit sich Schlitten fahren. Ohne Vertrauen und Respekt geht in der Arbeit mit Tieren nichts, und wenn der Reiter nicht weiß, was er will, wie soll es dann das Pferd?
Jappeloup ist zwar nicht frei von visuellen, atmosphärischen und dramaturgischen Klischees wie emotionsführenden Musikmontagen und pseudodramatischen Zeitlupen, bemüht sich in der Darstellung der beiden handlungstragenden Sturschädel aber immer um Aufrichtigkeit.
Da jedoch ein Pferd kein Schauspieler ist, bleibt die ganze Arbeit der Vermittlung an Guillaume Canet in der Rolle Durands
hängen. Canet hat immerhin in seiner Jugend selbst von einer Karriere im Reitsport geträumt, bis ihn ein Unfall auf andere Wege brachte, und brauchte daher in den Reitszenen nicht gedoubelt werden. Gleichfalls nicht fremd waren dem Schauspieler auch die inneren Konflikte und familiären Krisen, die Durands Werdegang prägen, und die sich immer wieder auf sein Verhältnis zu Jappeloup übertragen.
Durand hadert sowohl mit der Erwartungshaltung seines Vaters, der sich im Sohn den Vollender seines Lebenswerkes erhofft, als auch mit der eigenen Unentschlossenheit hinsichtlich des gewählten Anwaltsberufs. Später hadert er mit dem Nationaltrainer. Dann hadert er mit seiner Frau. Und zwischendurch hadert er freilich regelmäßig mit Jappeloup – und dessen Pflegerin. Über all dem Gehader vergehen gut zwei Stunden, und wer Pferde und/oder Sportfilme mag, wird sich in diesem leidlich unterhalten fühlen. Mehr nicht.
