Bonnie und Clyde im deutschen Wirtschaftswunder
Gisela Werler (Nadeshda Brennicke) ist das typische Mauerblümchen, grau und unscheinbar. Und natürlich wohnt sie zu allem Übel auch noch bei ihren Eltern, so wie in den sechziger Jahren üblich, wenn man mit Anfang dreißig noch immer nicht unter der Haube ist. Während ihrer Arbeit in einer Tapetenfabrik lernt sie den ebenso unscheinbaren Werner (Andreas Schmidt) kennen, der sie hofiert. Sie verfällt jedoch seinem charmanten Freund Herrmann (Charly Hübner), der mit einem Schlag ihr Leben verändern wird. Denn Hermann ist passionierter Bankräuber. Das Einzige was ihm noch fehlt, ist die passende Komplizin dafür. Da kommt ihm die gelangweilte Gisela gerade gelegen. Die wiederum ist begeistert von der Energie und dem Mut, den der unkonventionelle Hermann in ihr weckt. Und so werden die beiden zu Deutschlands spektakulärstem Bankräuberpaar der Nachkriegsgeschichte.
Auch wenn die realen Gisela Werler und Hermann Wittorff in keiner Weise so brutal wie ihre amerikanischen Vorreiter Bonnie und Clyde vorgingen, so waren sie doch nicht weniger emsig bei der Arbeit: 19 Banküberfälle gehen auf ihr Konto. Kein Wunder also, dass nach dem Fernsehen, in dem unter anderem bereits die Verfilmung von Gisela Werlers Tagebuch zu sehen war, nun auch das Kino diese Geschichte für sich entdeckt hat. Dabei setzt Regisseur Christian Alvart, der mit Case 39 und Pandorum auch schon zwei Filme in Hollywood realisierte, ganz auf den Unterhaltungsfaktor, weshalb die Liebesgeschichte zwischen Gisela und Hermann auch eine große Rolle einnimmt. Die Bankräubergeschichte wirkt dagegen in manchen Momenten fast schon nebensächlich. Zumindest für Gisela, die zu allem bereit scheint, wenn sie in der Nähe ihres Geliebten ist.
Auf der visuellen Ebene schöpft Alvart alles aus, was die Sechziger zu bieten haben: Grelle Outfits, große Sonnenbrillen, schicke Autos. Natürlich alles in Sepiafarben. Was aufgrund der Inflation, in der dank Instagram und Hollywood-Filmen wie American Hustle dieser Stil gerade zu sehen ist, etwas langweilt. Keineswegs langweilt indes der Wortwitz und die wohl auch verbürgte Unbeholfenheit mit der Gisela bei ihren ersten Überfällen vorgeht und gerne hinter ihre Forderung nach der Beute noch ein „Bitte“ und „Danke“ hinterherschiebt. Schade nur, dass dieser wirklich kurzweilige Film am Ende es sich dann doch nicht verkneifen kann, in einer übertriebenen Kitsch-Szene zu enden.
