Die Nick-Hornby-Adaption leidet nicht nur unter ihrem französischen Regisseur.
Vier potenzielle Selbstmörder treffen einander am Silvesterabend auf dem Dach eines Hochhauses in London, kommen ins Gespräch und schließen einen Pakt, dass sie in den nächsten sechs Wochen aufeinander aufpassen und dem Leben bis zum Valentinstag noch einmal eine Chance geben wollen. Ist man bereit, die absurde Grundkonstellation zu akzeptieren, kann man dem 2005 publizierten Hornby-Roman vielleicht ein bisschen Vergnügen an witzigen Dialogen und ein paar wirklich überraschenden dramaturgischen Wendungen abgewinnen.
Aber schon das fällt nicht leicht: Hornbys hervorstechendes Stilmerkmal ist es, die Alltagssprache unterschiedlicher sozialer Milieus zu verschriftlichen, und das wirkte bei seinen ersten Romanen „Fever Pitch“ und „High Fidelity“ frisch und trendy, hat sich inzwischen aber ein bisschen überlebt. Da die vier Protagonisten jeweils aus ihrer Sicht berichten, hat man deren innere Monologe als Voice-over-Passagen in den Film hinein genommen, und so steht der abgeklärt-schnoddrige Duktus des Talk-Show-Moderators Martin der zögernden, umständlichen Sprechweise von Maureen, der mittelalten Mutter eines schwer behinderten Sohns gegenüber. Und der muntere Slang der aufgeweckten 18-jährigen Jess, die an Liebeskummer und Weltschmerz leidet, konterkariert den grüblerisch-zerquälten Sound des amerikanischen Musikers in der Sinnkrise.
Im Grunde muss der Voice-over-Kommentar aber kaschieren, dass weder der französische Regisseur Pascal Chaumeil noch der Drehbuchautor Jack Thorne mit dem Hornby-Stoff etwas anzufangen wussten. Das mag daran liegen, dass er sich zur Verfilmung schlicht nicht eignet. Und während Thorne versucht, noch die letzten Funken aus den Hornby-Pointen zu schlagen und zu Dialogen aneinanderzureihen, arbeitet Chaumeil konsequent an einer Verniedlichung des Sujets.
Da verschränkt Toni Collette in Blümchenblusen und Strickjacken die Arme vor der Brust und versteckt die Hände in den Ärmeln, da raucht Pierce Brosnan vor seinem Absprung noch eine Zigarre, da rauft Aaron Paul sich zerquält die Haare, und da funkelt schließlich die witzige, niedliche, schmollmündige Imogen Poots als eine Art Londoner „Amélie“ vor sich hin, so dass man sie einfach lieben muss. Aus der Selbsthilfegruppe der suizidalen vier wird eine Wahlfamilie, und schon sind die Lebenskrisen überwunden, so vorhersehbar und so banal. Am Schluss bleibt das ungute Gefühl, dass die Protagonisten den Zuschauer belogen haben, um sich interessant zu machen. Und das ist ein No-Go.
